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Staffel 1

Sie kommt etwas überraschend, die Befördung zum vorübergehenden Chef des mächtigen britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, doch Adam Lawrence (Charlie Cox), ein langjähriger braver Mitarbeiter, nimmt sie ohne zu zögern an, stellt sie doch einen Notfall dar, weil sein Chef Martin Angelis (Ciarán Hinds) gerade eben vergiftet wurde. Während sich dieser im Krankenhaus erholt, muß sich Adam mit den neuen Verantwortlichkeiten erst zurechtfinden - da passt es gar nicht, daß genau in diesem Augenblick die russische ex-Agentin Kara (Olga Kurylenko) auftaucht, mit der er vor 15 Jahren bei einer heiklen Mission in Baku zu tun hatte.
Als ihm Kara auch noch eröffnet, für die Vergiftung von Angelis verantwortlich zu sein, damit er - kurzfristig an der Spitze des MI6 stehend - an bestimmte brisante Dokumente kommt, welche sie benötigt, kommen Adam ernste Zweifel am Verlauf seiner Bilderbuchkarriere, die, wie sich herausstellt, in entscheidenden Momenten durch Karas Zutun gepusht wurde. Es bleibt ihm wohl oder übel nichts anderes übrig, als die Dokumente zu beschaffen, um die unbequeme ex-Agentin, die bei den Russen längst in Ungnade gefallen ist, so schnell wie möglich wieder loszuwerden - auch in Hinblick auf seine Frau Maddy (Oona Chaplin), eine ex-Militärangehörige, die jetzt zuhause die beiden Kinder Callum und Ella großzieht, vom Vorleben ihres Gatten nichts ahnt und angesichts nächtlicher "dringender Termine" und Telefonate langsam mißtrauisch wird.
Doch es kommt noch schlimmer: im Zuge der Dokumentenbeschaffung bekommt Adam Wind davon, daß er selbst seit vielen Jahren (nämlich seit dem Unternehmen in Baku) als vermuteter Doppelagent Dorian unter Beobachtung steht, seine Beförderung wie überhaupt seine ganze Reputation nichts wert sind und er und seine Familie - erst recht durch die erneute Zusammenarbeit mit Kara - in großer Gefahr schweben. Wird sich Adam aus diesem Dschungel an Intrigen, gezielten Falschinformationen, kompromittierenden Dokumenten gegen aktuelle Politiker und Geheimdienst-Interessen nicht nur des MI6, sondern auch der CIA und des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR noch herauswinden können?

Reichlich Stoff aus der Welt der Geheimdienste bietet die britische Produktion Treason, die ihren Helden Adam Lawrence auf eine im wahrsten Sinn des Wortes mission impossible schickt und dabei sämtliche nur erdenklichen Klischees auffährt. Doch trotz des wenig innovativen Plots vermag die in 5 Episoden zu je etwa 40 Minuten servierte Story leidlich zu unterhalten, was auch am flotten Erzähltempo und den immerhin passablen Darstellerleistungen liegt.

Hauptakteur Charlie Cox zählt allerdings nicht dazu, er wirkt unerfahren, für den Chefposten zu jung und überdies viel zu soft und bekommt den seiner Filmrolle zugeordneten Spagat zwischen bravem Familienmenschen und knallhartem Geheimagenten praktisch nie auf die Reihe, dafür hat er in der stets undurchsichtig agierenden Olga Kurylenko und besonders der seine spanischstämmige Frau mimenden Oona Chaplin (Enkelin von Charlie Caplin) zwei geradezu kongeniale Partnerinnen, die die Mini-Serie fast allein tragen. Auch die Nebenrollen (z.B. Tracy Ifeachor als dunkelhäutige CIA-Agentin oder Ciarán Hinds als allwissende graue Eminenz des MI6) sind sehr gut besetzt, wären da nicht die ungezählten Ungereimtheiten und Logiklöcher sowie die in ihrer Anzahl schlicht viel zu vielen seltsamen Zufälle.

Dass der Chef einer Geheimdienstbehörde nicht jeden Abend seine Kinder eigenhändig zu Bett bringen kann ist die eine Sache, daß er konspirative Treffen stets ohne Begleitung und Bewaffnung absolviert, schon eine andere. Seine Frau kann sich laut Drehbuch offenbar nicht vorstellen, daß es in solch verantwortungsvoller Position nächtliche Besprechungen gibt, und teilt ihr Mißtrauen ausgerechnet einer CIA-Agentin mit, die ganz zufällig gerade in der Gegend ist, Begründung: "ich hab ja sonst niemand zum reden" - wtf?! Ein bei dieser Gelegenheit übergebenes, als Kugelschreiber getarntes Aufnahmegerät setzt sie dann bedenkenlos gegen ihren Mann ein, läßt sich jedoch genauso widerspruchslos auf ein Zweckbündnis mit der vermeintlichen Nebenbuhlerin ein. Kara selbst wirkt meist sehr entschlossen, verliert aber irgendwann all ihre Ausrüstung und muß einen Geschäftsmann um finanzielle Unterstützung bitten, verfügt aber dennoch über z.B. Waffen oder auch ein schnell wirkendes Kontaktgift, das sie mittels Anrempeln problemlos platzieren kann - genauso wie jenes Gift zu Beginn der Serie, das sie dem MI6-Direktor als verkleidete Kellnerin in dessen Stamm-Restaurant unterjubelt, ohne daß dieser Verdacht schöpft. Überhaupt treten die MI6-Mitarbeiter eher wie gelangweilte Versicherungsmakler auf, schaffen es nicht, zu viert eine Person auf einem Boot festzunehmen oder lassen sich von einem Teenager abschütteln, die einen anderen Nachhauseweg nehmen will. Und so weiter, und so fort...

Leider ruiniert das offenbar hastig hingeschluderte Drehbuch von Matt Charman (von dem man seit seinem 2015er Bridge of Spies - Der Unterhändler eigentlich Besseres erwarten durfte) das bis auf Charlie Cox durchwegs ansehnliche Spiel der Darsteller, welche sich ein mehr an der Realität orientierendes Skript verdient hätte. Somit bleibt als Empfehlung für Treason nur, das rasante Geschehen bei tunlichst deaktiviertem logischen Mitdenken einfach zu genießen, denn der Unterhaltungswert liegt trotz allem im grünen Bereich: 5,51 Punkte.

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