Es soll einer der größten Raubzüge der Geschichte werden, den sich Leo Pap (Giancarlo Esposito) da ausgedacht hat, während er nach einem mißglückten Überfall für einige Jahre hinter Gitter mußte. Dort lernt er den in der Gefängnisküche beschäftigten jungen Stan Loomis (Peter Mark Kendall) kennen, den er für sein Heist-Team einplant. Loomis ist zwar nur kurz im Knast, aber da seine Freundin Judy (Rosaline Elbay) verdächtig viel mit Bob (Jai Courtney) herumhängt, will er dann doch so schnell wie möglich raus. Daß die beiden neben der alten Bekannten Ava (Paz Vega) ebenfalls in Leo Paps Team sind, macht die Sache nicht einfacher - dazu kommt schließlich noch Paps Tochter, die er wegen seines Knastaufenthaltes nicht wirklich sehen und großziehen konnte und gegenüber der das ansonsten knallhart kalkulierende und spekulierende Mastermind eine ausgeprägt sentimentale Ader an den Tag legt. Das Ziel jedoch ist klar: knapp 7 Milliarden sollen es sein, die sich im kolportiert sichersten Safe der Welt befinden, den der großspurig auftretende Roger Salas (Rufus Sewell) verwaltet und schützt...
Seine neue Krimi-Serie Kaleidoscope hat Netflix derart produzieren lassen, daß es egal sein soll, in welcher Reihenfolge das Publikum die jeweils nach einer Farbe benannten 8 Teile sieht, sofern die mit Weiß betitelte Folge als letzte angeschaut wird. Ein solches Konzept verspricht erst einmal Abwechslung, auch wenn es nicht neu ist - daß es bei Kaleidoscope so überhaupt nicht hinhaut, hat allerdings andere Gründe: da wäre zum einen der insgesamt wenig innovative Plot eines mit zahlreichen Hindernissen gespickten Mega-Überfalls mit Giga-Beute, der von Anfang an konstruiert und wenig realistisch wirkt, was sich auch auf die Rollen der Darsteller bezieht, die oftmals völlig überkandidelt reden und handeln und darüber hinaus nicht im Mindesten zum Mitfiebern einladen. Eine bewußt ständig in den Vordergrund gemischte, flott groovende Musik tut ein Übriges, um den Zuschauer zu verwirren.
Der andere Aspekt ist natürlich jener, daß die einzelnen Episoden trotz ihrer verschiedenen Zeitebenen (insgesamt sind es 25 Jahre, die dort geschildert werden) nicht wirklich voneinander getrennt ablaufende Handlungen beschreiben, sondern teilweise aufeinander aufbauen und zum besseren Verständnis der Gesamtsituation schlichtweg chronologisch hintereinander erzählt gehörten. Aber genau das will Netflix mit der für jeden Abonnenten durcheinander gemixten Abfolge der Episoden (bis auf die letzte, Weiß) ja verhindern.
Nicht nur daß dies auf die Dauer ziemlich anstrengend wird (wer kann sich beispielsweise bei der 5ten Episode noch daran erinnern, was zum Ende der ersten Episode geschah und diese oder jene gerade jetzt erst gesehene Handlung begründet?) sind die einzelnen Folgen auch durchwegs unterschiedlich interessant geworden - und manche ist ein ziemlicher Reinfall, zumal die handelnden Charaktäre wie erwähnt bestenfalls durchschnittlich agieren. Bei mir war dies die Folge Lila, die zeitlich übrigens allererste Folge, welche mir der Netflix-Zufallsgenerator nach 4 durchwachsenen Episoden an 5. Position servierte - diese Folge Lila ist so hundsmiserabel schlecht, daß hier ein Abbrechen der Serie ernsthaft in Erwägung gezogen werden muß: während für die Vorgeschichte des Überfalls kaum 5 Minuten wirklich wichtig wären, trägt Leo Pap hier (neben tuntig wirkender Schminke) nicht nur einen albernen und deutlich als solchen zu erkennenden Fifi, sondern läßt sich die ganze Folge über von seiner nervtötend vorlauten etwa 6-jährigen Tochter um den Finger wickeln - auf diese Guter-Papa-Schleimscheißerei nach US-Soap-Opera-Vorbild kann in einem Heist-Movie weiß gott verzichtet werden.
Dass die Serie, die von Machart und Schnitt her nicht zufällig an Haus des Geldes oder Ocean’s Eleven erinnert, neben völlig uninteressanten und nur als Füllstoff dienenden Nebensträngen auch einige gröbere Logiklöcher bzw. schlichtweg Idiotien enthält (so gelingt es einer jungen Dame überraschend einfach, eine andere junge Dame anzusprechen und zur Freundin zu machen, der sie dann ein Buch schenkt, in welches eine Micro-Kamera eingebaut ist, das die Beschenkte dann in ihrem Büro genau so auf ihrem Schreibtisch platziert, daß die Kamera auf ihre Tastatur gerichtet ist - wtf???), trübt das Sehvergnügen(?) zusätzlich.
Wer sich dennoch an Kaleidoscope versuchen will, dem sei trotz des Mix-Konzepts die chronologische Reihenfolge empfohlen, welche da lautet:
Lila (24 Jahre vor dem Raub)
Grün (7 Jahre davor)
Gelb (6 Wochen davor)
Orange (3 Wochen davor)
Blau (5 Tage davor)
Weiß (der Raub selbst)
Rot (der Morgen danach)
Pink (6 Monate nach dem Raub)
In dieser Reihenfolge angeschaut ergibt sich zumindest eine logischere Abfolge des Milliarden-Coups - ob das die Serie tatsächlich aufwertet, sei dahingestellt und muß jeder für sich entscheiden. Mich hat weder Konzept noch Inhalt überzeugt: 3 Punkte.