Review
von Leimbacher-Mario
Chaosclusterfuckcommunitycompilation
„This Place Rules“ skizziert anhand ein paar der führenden, hetzenden, rechten Köpfe Amerikas ein gutes Stück, wie es zu der Kapitolstürmung Anfang 2021 kommen konnte - schlägt jedoch wenn man genauer hinschaut noch einen wesentlich größeren Bogen zu den gegensätzlichen Strömungen und undurchsichtigen Menschmechanismen, die die US-Gesellschaft immer mehr spalten, verwirren und womöglich langfristig zerstören könnten. Und das mit ein paar der skurrilsten Schreihälsen, Selbstdarstellern und Pappnasen, die man auf den Straßen des „Land of the Free“ wohl finden kann…
Ein wenig wirkt Regisseur, Hauptdarsteller und Kopf hinter dem Projekt, Andrew Callaghan, wie ein Schüler von „Borat“ und „Bruno“, allerdings mit noch weitaus akuterer, sozialerer, politischerer und gesellschaftlicherer Färbung. Dabei lässt der junge Mann während seiner Fahrt von Demo zu Demo, von Wahlschlappe zu Eskalation, eigentlich nur die Leute für sich reden, die eben reden, spucken, schreien und hetzen wollen - von Mitläufern über Strippenziehern bis zu Opfern. Sodass sich (übrigens nicht nur rechte) Idioten nahezu ausschließlich selbst die Blöße geben. Obwohl man durch Schnitte und minimale Off-Kommentare doch immer ein wenig in eine Richtung gedrängt/beeinflusst wird, das bleibt nie komplett aus. Dennoch wären auch in einer gänzlich neutralen Darstellung hier eigentlich nur Lachen, Stirnrunzeln, den Kopf schütteln und Verzweifeln möglich. Selten habe ich anstrengendere 80 filmische Minuten erlebt. Was aber sein muss und positiv gemeint ist. Das ist Wahnsinn, das ist Hysterie, das ist ein erschreckendes Kuddelmuddel aus Fehlinformationen, Langeweile, aufgestauter Wut, Vorurteilen, Verlorenheit. Und vor allem Dummheit. Pure und schädlichste Dummheit. Man kann es nicht anders sagen. Und das gleichzeitig erstaunt, erheitert und entsetzt dermaßen zu entblößen und darzulegen - dafür muss ich Callaghan ohne Frage Respekt zollen. Dazu gehört massiv Mut, Durchhaltevermögen, dazu gehören Nerven und eine stoische Mine. Ich will nicht wissen, wieviele Morddrohungen er hier nach bekommen hat oder warum er mittlerweile kaum neues Material veröffentlicht. Das mag manchmal etwas simpel und wie auf dem Rücken von Minderbemittelten wirken, doch wie soll man sich sonst einem solch komplexen Thema, einer ziemlich konfusen Gesellschaft und ihren extremeren Auswüchsen nähern?! Dann doch gerne mit einer guten Portion Humor - selbst wenn er einem natürlich irgendwann im Hals hängen bleiben könnte…
Fazit: eine gleichzeitig hysterisch witzige wie unberechenbar angsteinflössende Momentaufnahme einer Nation im Ausnahmezustand, mit zu viel feuchter Luft in den Lungen für zu wenig echte Trompeten. In der Tradition von Sascha Baron Cohen.