Staffel 2
Die Abwärtsspirale
Nachdem die erste Staffel „The Last of Us“ ziemlich perfekt war und qualitativ für mich nicht weniger als Videospielverfilmungsgeschichte geschrieben hat, bekommt es nun die zweite Staffel mit der Mammutaufgabe zu tun „Part II“ anzugehen - und somit eine der umstritteneren Videospielgeschichten überhaupt, wenn sich Rachegeschichten in einer pilzzombieversuchten Postapokalypse kreuzen und in eine Spirale der Gewalt verlieren…
The Walking Funghi
Als großer Fan der Spiele hatte mich die erste Staffel von „The Last of Us“ wie gesagt extrem positiv überzeugt. Das war rund, das war stringent, das war hart, das hatte Herz, da war alles am richtigen Platz. Selbst wenn man über Bella Ramsey als Ellie streiten kann. Aber ansonsten war das nahe an einer 10/10-Umsetzung eines 10/10-PlayStation-Klassikers. Aber der wahre Endgegner und der finale Kampf gegen Windmühlen, würde immer die fernsehtechnische Umsetzung von „The Last of Us 2“ werden. Und auch über die kann man - genauso wie über das Game (das aus meiner Warte übrigens ebenfalls ein Meisterwerk ist!) - diskutieren. Fest steht für mich jedenfalls, dass die zweite Staffel „The Last of Us“ sich storytechnisch unfertig anfühlt und auch einige emotionale Momente und Hintergrundstories falsch umparkt. Dadurch geht dann einiges an Überraschung, Impact und Besonderheitskurve verloren. Vor allem natürlich, warum Abby Joel töten will. Aber auch das Verschieben anderer kleinerer Details glückt nicht durchgehend. Daran sieht man, was für ein brachiales Biest und prekäres Konstrukt das Spiel war/ist. Dazu kommt eben, dass es nur die Hälfte der Story ist, wenn überhaupt. Und dass sich das Ganze manchmal ein wenig anfühlt wie das Abticken von Boxen, Wendungen und Setpieces der Vorlage. All das macht die zweite Staffel definitiv zu einem Schritt runter. Und trotzdem gibt es Highlights (komplette Folge 2 z.B.), Schockmomente und eine unverkennbare (HBO-)Hochwertigkeit, die einfach über jeden Zweifel erhaben sind und sogar der mächtigen Videospielvorlage gerecht werden. Und auf dieses Level muss man als Serie erstmal kommen bzw. bleiben… Und ich finde auch Kaitlyn Dever eine gute Wahl, trotz ihrer körperlichen Zierlichkeit im Gegensatz zum bulligeren Vorbild.
Fazit: Einige Highlights und echte Magengrubenhaken sitzen. Und allgemein bleibt das hochwertig, düster und stark. Eine der besten Videospieladaptionen für mich immer noch. Als PlayStation-Fanboy, sei hinzugefügt. Und trotzdem spürt man nun, nach der kompakten, nahezu perfekten und sehr runden ersten Staffel, deutliche Probleme beim Pacing, bei der Reihenfolge einiger dramatischer Wendepunkte und Beweggründe, beim unbefriedigenden Ende bzw. allgemein dem Gefühl, dass dies nicht komplett bis gar antiklimaktisch ist… Aber „The Last of Us 2“ war immer eine harte Nuss zu knacken! Trotzdem für Gamer ein Pflichttermin! (8/10)