Ich bin ein sehr geduldiger Zuseher. Ich lasse mich regelmäßig überraschen und entscheide während der Sichtigung des Streifens oder danach, ob er mir gefällt, gefallen hat oder nicht.
"Arielle" gehört einem Genre an, das ich grundsätzlich niemals freiweillig ansehen würde. Doch hier ist es anders. Ich war damals 7 Jahre alt, als ich mit meinem Vater zum ersten Mal ein Kino besuchte. Es handelte sich 1990 tatsächlich um den Disney-Film "Arielle", eine amerikanische Trickfilm-Version von Hans-Christian Andersen's "Die kleine Meerjungfrau".
Aufgrund dieser frühkindlichen Erfahrung haben mich "Arielle", sowie ihre Musikeinlagen ein Leben lang verfolgt. Positiv verfolgt. Wer kennt nicht "Under the Sea"?
Aber Hollywood muss jeden tollen Disney-Film natürlich als Real-Film inszenieren. Ich warte noch auf "Robin Hood", wenn Daniel Craig als Löwe animiert Prince John mimen wird.
Die Realverfilmung von "Arielle" ging eindeutig in die Hose. Auch die Dauer seiner Post-Production spricht Bände.
"Arielle" ist eine Katastrophe. Schon im Vorfeld wurde die Wahl der Darstellerin verteufelt. Eine dunkelhäutige Schauspielerin soll Arielle darstellen? Ja. Warum nicht. Dagegen hatte ich absolut nichts, passt sie doch perfekt in die Schönheiten der Meere. An Halle Bailey gibt es nichts zu kritisieren.
Nur leider muss ich anmerken, dass sie im "Meer" besser rüber gekommen ist. Als Mensch ohne Stimme, versagen ihre schauspielerischen Talente auf voller Strecke.
Ich denke, dass man bei "Arielle" nicht Spoilern muss. Javier Bardem als Trition ist eine Katastrophe, ganz zu Schweigen von Melissa McCarthy als Ursula. Dies hat mich besonders wütend gemacht. Wäre McCarthy aufgrund ihrer damaligen Leibesfülle eine Idealbesetzung für Ursula gewesen, so "spielt" McCharthy abgemagert "einfach" eine sehr animierte Rolle. Flach, nicht böse genug, einfach nur unbedeutend. Ebenso ist das Mädchen, welches Ursula als Mensch darstellt sowas von langweilig und von keinerlei Bedeutung. Schlimm. Ich sage nur, schlimm. Als hätte man einige Szenen an Wochenenden aufgenommen und diese danach animiert.
Die Animation. Dies ist das Schlimmste überhaupt, neben der deutschen Synchro. Ich verstehe nicht, wie man vor einigen Jahren noch tolle, animierte Filme auf die Leinwand binden konnte, und im Jahr 2023 einen solchen "Pfusch" abliefert. Hier passt absolut gar Nichts.
Ich kann es nicht wirklich beschreiben, ich kann es nur vergleichen. "Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett" mit Angela Lansbury war für damalige Umstände eine sehr gute Real-Animation-Kombi, in Relation zu "Arielle" war sie jedoch perfekt.
Ich weiß nicht, was man genau mit "Arielle" als Realverfilmung in dieser Version erreichen wollte. Musste man einen Streifen drehen, um Uhrheberrrechte nicht zu verlieren?
Die musikalischen Beiträge sind ebenso schrecklich. Schrecklich gesungen und mit furchtbar gemachten animierten Einlagen wird dieser Film mit großer Wahrscheinlichkeit in die großen Jagdgründe der Vergessenheit eintreten. Hätte er mich nicht so verletzt, so wäre er bei mir bereits vergessen.
Aber dieses tolle, wirklich kinderfreundliche und schöne Märchen, dass Anfang der 90er Jahre ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder gezaubauert hat, ist Vergangenheit und bedurfte einer Kritik.
Selbstverständlich hätte man "Arielle" nicht als Realverfilmung inszenieren müssen oder auch können. Nein. Man hätte es so belassen sollen, doch leider spielt der Gewinn immer noch eine größere Rolle, als das zu schaffende Kunstwerk.
Dieser Streifen ist kein Kunstwert. Er ist Schrott. Melissa McCarthy hat vollständig versagt und sich verkauft als jene Frau, welche sie nicht mehr ist. Javier Bardem mochte ich noch nie und seine Performance als Triton ist einfach nur erbärmlich. Der Prinz ist lieb, aber uninteressant. Die "Viecher" kann ich nicht beurteilen, da natürlich komplett animiert. Doch sie werden mieß synchronisiert und auch dargestellt. Bleibt nur noch die Hauptdarstellerin Halle Bailey. Wie gesagt, die unterschwelligen und bösen Bemerkungen in den Medien empfinde ich als nicht in Ordnung. Das schauspielerische Talent und ihr Einsatz kann dennoch beurteilt werden. Bedauerlicherweise hat Bailey kein Talent und kann aufgrund der Animationen auch keinen Einsatz zeigen. Abgesehen von ihrem wirklich tollen und sympathischen Lächeln und ihrer Hautfarbe und der Haarkonstruktion ist sie ebenso eine regelrechtliche Fehlbesetztung und nervt.
Ich habe generell den Eindruck, als wollte man ein Multi-Kulti-Erd-Meer-Universium aufbauen, was an sich OK ist. Doch die Zielgruppe sind eigentlich Kinder. Und diese können damit recht wenig anfangen. Man wollte offenbar ein politisch, schlecht inszeniertes Statement setzen, doch leider verfehlt man hierbei die Zielgruppe und verärgert ältere Fans, zu denen ich mich zähle. Kindheitserinnerungen sind unersetzbar, positive sowie auch negative. Graf Dracula ist für mich auch keine Frau und Rapunzel immer noch eine junge Frau mit langen Haaren, und keine Drag-Qeen. Das sind Traditionen und an diesen halte ich fest. Dies hat auch Nichts mit notwendigen Veränderungen zu tun. Wenn doch, dann können wir auch den "Erlkönig" umschreiben oder "Misery" mit einem Remake versehen, in welchem Kevin James die Hauptrolle übernimmt.
FAZIT: Für Kinder gar nicht geeignet. Ich wette, dass jedes zweite Kind bei diesem Kino- oder Heimkinobesuch ihren Blick eher auf ihr Smartphone haben, als auf die Leinwand oder den Fernseher. Selbst schuld, sage ich. Gerade an dieser "Arielle"-Verfilmung kann man erkennen, wie stark die unterschiedlichen "Gewerbe" zusammenhängen. Und ganz ehrlich, ich schäme mich für die derzeitige Entwicklung dieser Gesellschaft. Und diese Verfilmung ist ein Spiegelbild davon. Was auf der Leinwand gespielt wird, interessiert Keinen mehr. Daher kann man auch produzieren, wie man möchte. Und bei "Arielle" hat man tatsächlich produziert, wie man wollte. Ein Schrott sondergleichen. Finger weg, vor Allem für Liebhaber des Originals.
Ich versuche verzweifelt einen Punkt zu finden, um ihn damit bewerten zu können, doch leider finde ich keinen einzigen. OK. Gut. Den Anfangssequenzen und der wirklich lieblichen Halle Bailey kann man 1/10 geben. That's it.