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Luis Buñuel - bei diesem Namen weiß der Kenner sofort, was ihn erwartet: Garstige Angriffe auf die Oberschicht, verpackt in oft so edlen wie bizarren Bildcollagen. Auch bei diesem Film blieb er seinem Lieblingsthema treu; leider etwas zu zahm und brav.

Dabei bietet die Geschichte der vornehmen Severine, die sich aus unterdrückten sexuellen Gelüsten heraus freiwillig in ein Bordell begibt, um dort schon bald zur Lieblingsprostituierten aller Kunden zu avancieren, durchaus genug Potenzial zu beißendem Sarkasmus. Und der setzt sich auch schon ab der ersten Szene durch und führt an einer Auswahl verdrehter Mitglieder der High Society die Abartigkeiten auch dieser Gesellschaftsschicht vor. In eleganten Bildern treibt der Film die Geschichte voran, unterbricht sie hin und wieder für einige so provozierende wie intelligente Wunschvorstellungen der sich frigid gebenden Dame und mündet letztlich in einem bitterbösen Finale.

Leider verliert der Film in der zweiten Hälfte deutlich an Tempo. Und selbst in seinen besten Szenen erreicht er nie die schneidende Schärfe andere Werke Buñuels - man denke an "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" oder "Das Gespenst der Freiheit". Einzig die masochistischen Traumsequenzen seiner Heldin erweisen sich von psychologischer Tiefe und symbolhafter Aufladung - und das alles in konstant eleganter Bildführung.

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