In letzter Zeit eher mit Misserfolgen bezüglich seiner Rollenauswahl und mit finanziell schwachen Abschneiden in der einheimischen chinesischen Kinokasse geschlagen, versucht sich Jackie Chan gleichzeitig weiterhin an alten Tugenden (The Legend, die kommende Fortsetzung von Der Mythos, 2005) als auch an durchaus etwas anderen Wegen in seiner Karriere, der persönliche 'Abgesang' Ride On - Die zweite Chance bspw., eine Dramödie mit biografischen Zügen. Der hier vorliegende Hidden Strike ist ursprünglich zu einer Phase entstanden, in der traditionelle Actionelemente mit neuen Bezügen versehen wurden, aus der Zeit stammte auch Vanguard - Elite Special Force (2020), also eher militaristisch angelegte Terroristenhatz im fernen Orient, hier noch zusätzlich mit einem leichten futuristischen Bezug (Bleeding Steel, 2017) und dem auch bereits zur Genüge ausprobierten Buddy Picture als Umrandung (Skiptrace - Auf der Jagd nach Matador, 2016); also theoretisch alles drin, was einst das Publikum in Scharen anzog und heute nur noch 'Resteverwertung' für einen übersättigten Streamingdienst, frisch aus dem Giftschrank des Jahres 2019 ist:
Dragon Luo Feng [ Jackie Chan ] soll mit seinem Spezialkommando in einem vom Ölkrieg zerstörten arabischen Land die dortige Raffinerie, darunter v.a. die Professorin Ying Cheng [ Jiang Wenli ], aber auch seine Tochter Mei [ Ma Chunrui ] und den Rest der Angestellten vor andauernden Angriffen der Rebellen sichern und evakuieren. Als dabei der Konvoi von den Brüdern Chris Van Horne [ John Cena ] und Henry Van Horne [ Amadeus Serafini ] im Auftrag von Owen Paddock [ Pilou Asbæk ] angegriffen wird, stehen sich schnell zwei gleichwertige Männer gegenüber.
Gestemmt von gut einem halben Dutzend chinesischer Studios in der Produktion, mit einem Hollywoodstar als Beifügung, der es sich allerdings zwischendurch mit einer politischen Aussage beim lokalen Publikum verscherzt hat und trotz Abbitte und Buße wahrscheinlich immer noch auf der schwarzen Liste der VRC steht, plus einem amerikanischen Regisseur, der hier schon mal für Expendables 4 geübt hat und die Messlatte an und vielleicht auch hoch genug legt. Die Wahl des Regisseurs ist zur damaligen Zeit eher seltsam gewesen, möglicherweise war eine Verbindung des erst angekündigten, dann aber abgesprungenen Sylvester Stallone (im Juni 2016, wo der Film noch unter dem Arbeitstitel Ex-Baghdad firmierte) als Konnexion und in Sachen Vitamin B gegeben, man weiß es nicht. Waugh, der auch den Schnitt übernimmt, ist immerhin klug genug, die eigenen Stärken und die seiner beiden Darsteller zu nutzen und ist technisch, also handwerklich nicht hinter den Kollegen, die Chan zuletzt für sich gebucht hat, eher noch darüber; was nur leider nicht allzu viel heißt, wenn man sich die letzten Arbeiten so ansieht.
Immerhin, das gleichzeitig oder ursprünglich zeitgenössisch scheinende Setting, welches sich dann als semifuturistisch entpuppt, erlaubt dem Film auch den Sprung in eine Art Graphic Novel, als 80 Mio. USD teures comigales Abenteuer, man muss nicht alles für bare Münze nehmen und man kann vor allem auch über einen erhöhten, recht mäßigen Einsatz der Tricktechnik (und viel Gaga-Humor) hinwegsehen. Farblich eintönig, wenn auch kräftig zwischen braun, grau und sandfarben gehalten wird hier Materialismus propagiert, Waffengestus, ein andauerndes und anhaltendes Kriegsgebiet. Die Optik ist von Anbeginn an deutlich künstlich, Details passen teilweise nicht zusammen, die Umgebung ist nicht real, nicht zum Greifen, ein Gutteil sichtlich vor der grasgrünen Tapete gedreht. Cena spielt wie oft zuletzt wie Knoxville auf Steroiden ("What are you doing in the desert?" - "I'm fishing. What are you doing in the desert?"), das hilft hier aber eher, das macht nichts.
Es geht um Wasser und um Öl, es geht um den Kampf Gut gegen Böse, der Schauplatz ist die Wüste, als Schrottplatz vergangener Gefechte, vorne Rost und Rauchschwaden, hinten am Horizont der babyblaue Himmel. Früher und mit weitaus weniger finanzieller Stärke wäre das etwas für Cirio H. Santiago, David A. Prior oder Albert Pyun gewesen; hier gibt's die Big Budget Variante davon, Project X-Traction, das kann man niederschreiben, das kann man auch genießen, je nach Vorlieben und nach Priorität. Anfangs (und auch zwischendurch) wird ein wenig (zu viel) gemenschelt, Familienstreitigkeiten vor versammelter Mannschaft, derer zwei sogar, hüben wie drüben, spät geführte An- und Aussprachen, es braucht etwas dramaturgische Fallhöhe, es braucht auch ein Motiv für die (oft im Studio oder im Rechenknecht gehandhabte, insgesamt etwas vernachlässigte) Action an sich.
Eine Reise durch ein Minenfeld steht an, besetzt von Söldnern und Terroristen und wirtschaftlichen Ausbeutern, eine Kaperung und Entführung während voller Fahrt, es gibt eine Auseinandersetzung zwischen Sand Buggies und Helikoptern, das sieht mal besser aus und mal eher nicht; Hightech-Kino ist jedenfalls etwas anderes, auch wenn mancherlei Hubschrauberaufnahmen gelungen und für den Moment imposant auch sind. Ab dem zweiten Drittel ist dann etwas mehr Konfrontation und Erdung angesagt, "You lost?" - "I come for my people." die Ansage und die erste Konsequenz. Von einer Feindschaft zu einer unfreiwilligen Verbrüderung, Kampfszenen selber funktionieren bei dem Alter von Chan natürlich nur noch mit der Unterstützung von Wirework, im Finalkampf im Schaumbad gegen Tim Man sogar absichtlich unterstützt, sprechen aber schon die Sprache des Gewohnten, also die (humoristische und akrobatische) Nutzung von diversen umherstehenden Materialien und anderen Utensilien. Vielerlei Schusswechsel, einem nächtlichen Angriff auf eine zivile Karawanserei und einem Showdown in der Raffinerie selber zum Trotz ist auch dies Unternehmen eher familienfreundlich gehalten, einiges wird mit Klamauk aufgelöst, der im Übrigen ab und an seine lockernde Wirkung hat, Blutspritzereien oder fatale Ergebnisse sieht man Chan-typisch sowieso kaum bis wenig.