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In einer nicht allzu fernen Zukunft werden Ölraffinerien im arabischen Raum immer wichtiger - und eine solche ist Ziel einer Söldnertruppe unter der Führung von Owen Paddock (Pilou Asbæk). Doch deren Aktivitäten sind den chinesischen Raffinerie-Eigentümern durchaus bekannt, weswegen sie ein Spezialkommando unter Dragon Luo (Jackie Chan) auf die Reise schicken um die Bohrarbeiter und deren Leiter zu evakuieren.
Doch der aus mehreren Bussen bestehende Konvoi wird am Weg nach Bagdad bereits erwartet: in einem von den Rebellen künstlich entfachten Wüstensturm gelingt es diesen, einen Bus mit den Evakuierten zu kapern - ausgerechnet jenen mit der Direktorin, in deren Tasche sich neben wichtigen Dokumenten auch ein gewisser USB-Stick befindet, mit welchem die Fernleitungen gesteuert werden.
Das sich anbahnende Geiseldrama ruft auch den in der Nähe stationierten Chris Van Horne (John Cena) auf den Plan, dessen Bruder gerade von Paddock liquidiert wurde. Chris, ein ehemaliger GI kümmert sich in einem Dorf um die Wasserversorgung und staunt nicht schlecht, als dort Dragon Luo und seine Tochter Mei (Chunrui Ma) auftauchen. Trotzdem Chris ein Auge auf die junge Chinesin geworfen hat, sieht es zunächst nicht so aus, als ob der Amerikaner und der Chinese zusammenarbeiten würden. Ein paar Raufereien später jedoch ist der gemeinsame Feind - Paddock und seine Söldnertruppe - ausgemacht und das ungleiche Duo nimmt den Kampf auf...

In der 2018 abgedrehten, aber erst 2023 bei Netflix veröffentlichten Produktion Hidden Strike gibt es ein Wiedersehen mit der mittlerweile fast siebzigjährigen Kung-Fu-Ikone Jackie Chan, der sich hier mit dem Wrestler John Cena zunächst handgreiflich messen darf (Ausgang unentschieden), bevor die beiden gemeinsam die Bösen zur Strecke bringen.
Mit reichlich Computer-Tricksereien (der Film soll 80 Mio. Dollar gekostet haben) wird ein Szenario entworfen, das sich hauptsächlich bei Mad Max und anderen Dystopien bedient, darüberhinaus jedoch keine eigenen Ideen hervorbringt und durch die immer wieder eingestreuten, aber nicht immer wirklich witzigen Dialoge auch keinerlei Spannung aufkommen läßt.

Während Jackie Chan seinen Part relativ anstandslos rüberbringt, hat man bei Cena stets das Gefühl, daß er - mental und körperlich - zu langsam agiert - und das trotz der bei Jackie Chan unvermeidlichen Slapstick-Einlagen. Natürlich darf man Hidden Strike als einen weiteren Versuch der chinesischen Filmindustrie interpretieren, Marktanteile im Action-Segment westlicher Prägung zu erobern. Denn die Bösen sind erstmal Amerikaner, die knallhart und zynisch Leute erschießen, bevor dann die Guten (und das sind selbstverständlich die Chinesen) auftauchen. Da mit solcher Schwarz-Weiß-Malerei aber kein Blumenpott zu gewinnen ist, kommt nach einer knappen halben Stunde Filmlaufzeit mit John Cena dann auch ein guter Amerikaner dazu, der die - wie wir ja wissen - ohnehin guten Chinesen gegen die bösen Amerikaner unterstützt. Ach ja...

Technisch gesehen haben die beteiligten chinesischen Studios durchaus eindrucksvolle CGI-Kulissen aufgeboten, gleichwohl sich mit zunehmender Dauer immer mehr ein Gefühl der Künstlichkeit dieses Settings aufdrängt: es ist einfach nicht real, was dort zu sehen ist. Dazu gesellen sich auch einige Fehler im wenig ausgefeilten Drehbuch: wieso kann ein Bus aus einem dicht hintereinander fahrenden Konvoi gekapert werden, trotzdem Helikopter-Unterstützung vorhanden ist? Wie kann ein auf einem LKW-Anhänger angebrachtes Gebläse einen meilenweiten Sandsturm verursachen? Woher weiß Chan eigentlich, daß sich auf dem sagenumwobenen Highway of Death (dessen reales Vorbild übrigens in Kuwait liegt) keine Sprengfallen unter den Wracks befinden? Und was hat es mit der schlicht abenteuerlichen Konstruktion eines Raketen-Trucks auf sich?

Nein, ernst nehmen kann man das Ganze nicht. Doch immerhin bekommt man mit Hidden Strike trotz des generischen Drehbuchs und des jederzeit vorhersehbaren Finales ein mittelprächtig unterhaltsames Action-Spektakel präsentiert, das trotz eindeutiger moralischer Dominanz der Chinesen auf politische Untertöne ansonsten verzichtet und einen zwischendurch auch mal schmunzeln läßt. 4 Punkte.

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