iHaveCNit: Sonne und Beton (2023) – David Wnendt – Constantin Film
Deutscher Kinostart: 02.03.2023
gesehen am 05.03.2023
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 18:00 Uhr
Komplettes Kontrastprogramm dieses Wochenende für mich im Kino. Nach „Project Wolf Hunting“ aus Südkorea und dem Oscarcontender „Tár“ nun den deutschen Film „Sonne und Beton“, der auf dem nach eigenen Erfahrungen inspirierten und gleichnamigen Roman des Comedian und Podcasters Felix Lobrecht basiert. Und eines vorweg – vermutlich ist dieser Film das Beste, was dieses Wochenende zu bieten hat und auch ein schon sehr früher Contender in meiner persönlichen Kategorie „Bester deutscher Film“ für 2023.
Es ist Sommer 2003 im Berliner Ortsteil Gropiusstadt. Der junge Lukas will eigentlich zur Schule, doch er hat seinen Schülerausweis verlegt und ihm wird der Zugang verwehrt. So heißt es für Lukas notgedrungen die Schule zu schwänzen und mit seinen besten Freunden Julius und Gino abzuhängen. Bis sie in den Parkanlagen des Wohnbezirks mitten in einen Kleinkrieg zwischen zwei rivalisierenden Dealergruppen geraten, der vor allem für Lukas zur Folge hat, dass eine Gruppe von ihm 500 Euro am nächsten Tag haben möchte. Gerade in dieser Zeit bekommt die Schule eine Lieferung von modernen PCs und die Gruppe um Lukas freundet sich mit Lukas neuem Nachbarn und Klassenkameraden Sanchez an. Gemeinsam wollen Sie ihre Probleme mit einem Diebstahl und Verkauf der PCs lösen.
„Sonne und Beton“ ist ein unfassbarer authentischer und in vielen Details großartiger und fein beobachteter Film geworden, der zwischen Sozial- und Milieustudie sowie auch in Teilen Coming-Of-Age pendelt. Das Drehbuch von Regisseur Wnendt und Felix Lobrecht sowie die gesamte Ausstattung des Films liefert eine so fein beobachtete und stimmige Darstellung des Lebens in Problembezirken und beschäftigt sich mit sehr vielen dieser vernachlässigten Lebensrealität bestimmenden Themen wie häusliche Gewalt, toxische Männlichkeit, Armut, Verwahrlosung. Perspektivlosigkeit aber auch viel von Freundschaft, Zusammenhalt, Vertrauen und ist damit in seiner Brutalität und Hoffnungslosigkeit auch in Teilen ein warmherziger Film geworden, ohne diese Lebensrealität zu verklären, zu romantisieren und zu glorifizieren. Denn diese Lebensrealitäten sind eben sehr hart und bitter, weil sie selten bis überhaupt nicht jemals einen sozialen Aufstieg in Aussicht stellen können und werden. Getragen wird der Film von einem tollen Ensemble von Jungdarstellern, die teils direkt von der Straße gecastet worden sind. Diese unverbrauchten Gesichter geben der Geschichte dazu noch etwas Rohes, Echtes und in allen Maßen Authentisches. Und „Sonne und Beton“ ist unterbewusst auch für mich ein persönlicher Film, denn im Jahr 2003 befand auch ich mich noch in der Schule im Alter von 16 Jahren und habe selbst wenn ich nur in einer wesentlich kleineren Siedlung mit Sozialbauwohnungen nahe Frankfurt im Hattersheimer Stadtteil Okriftel viele Jahre meines jungen Lebens verbracht und habe die im Film porträtierten Lebensverhältnisse direkt mit erlebt und kann mich auch mit vielen der Inhalte im Film identifizieren.
„Sonne und Beton“ - My First Look – 9/10 Punkte.