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Die Hand angewinkelt zum Kopf geht es hier, zum Salut, Saban Films verschifft uns nach Vietnam, nicht das heutige Reiseland aus dem Tourismusprospekt, sondern nach dem Vietnam von 1966, das Kriegsgebiet. Erst wird noch einmal die Flotte bestaunt, die Luftwaffe, die U.S. Air Force, die den sicheren Sieg bringen soll, den Kampf von oben aus gewinnen, das Land mit Napalm bombardieren. Doch so einfach wie gedacht ist das nicht, das hat die Geschichte gezeigt, "Expect a firefight", das wird hier noch mal erzählt:

Im Auftrag von General Drummond [ Aaron Eckhart ] wird Captain Mora [ Gregory Sims ] in einen Außenposten in der Quang Tri Provinz geschickt, um ein wertvolles Dokument mit einer Namensliste an einheimischen Unterstützern zurückzuholen, inklusive einem bereits vor Ort befindlichen Special Forces Team, von dem aber nur zwei Mann zurückkehren. Das Lager selber wird von Corporal Ackerman geleitet, der nach einem plötzlichen Angriff auf das Camp und dem erneuten Verlust des Dokumentes mit seiner ebenso jungen Truppe bestehend aus eigentlichen Ingenieuren und der Unterstützung von Lieutenant Colonel Miller [ Jonathan Rhys Meyers ] und Crawford [ Mac Brandt ] den vorübergehend vertriebenen Vietnamesen in den Dschungel, und bald unter die Erde folgen soll.

Salutiert hat Aaron Eckhart, Eckhart ist der Namhafteste im Cast, er kommt aus Hollywood, er wird nicht unbedingt mit einem Dschungelreißer, einer Namsploitation, einem in Kolumbien gedrehten Kleinkriegsfilm erwartet; er macht auch nur kurz die Ehrerbietung und leitet die Geschichte an, flott geht es ins DMC. Eingeflogen wird noch bequem per Helikopter, bald schon nur noch am Boden bewegt, die Nase voran im Dreck, getarnt wie das Umfeld, der Feind ebenso unsichtbar und von allen Seiten und es ist seine Heimat, sein Terrain. Der Führer vor Ort in der Basis mitten im Nirgend ist noch ein halbes Kind, der Rest der Truppe auch, die Sätze kommen wie auswendig gelernt und sind es wahrscheinlich auch, Befehle von oben weitergegeben, das Handbuch studiert. Man ist noch gar nicht richtig erwachsen, man ist der Aufgabe nicht gewachsen, man ist vor Ort für eine Sache, mit der man nichts zu tun hat und von der man nichts versteht.

Die ersten Schüsse sind 'friendly fire', ein Versehen beim Putzen der Waffe, beim Frühstück gibt's dann den ersten richtigen Angriff, aus dem Nichts heraus, noch vor dem Kaffee. Zeltplanen werden durchdrungen und wie die Insassen durchlöchert vom Maschinengewehr, Granatwerfer schlagen im Rondell ein, Matsch und Erde und Explosionen vermischen sich, die Gegend mal blutrot, mal flammengrell, dann wieder braunes Morastgebiet. Eine Vermengung aus Stone und Santiago, die Kamera mal nah dran an den Detonationen und den heillos und ziellos fliehenden Soldaten, dann wieder einem speziellen Mann folgend, mal aus der verheerenden Draufsicht.

"This is new kind of warfare" heißt es bald, die Attacke nur ein Vorgeschmack, eine Ablenkung, es geht nicht um Blutiges Lang Mei, die Dialoge hier sind anders, das Drehbuch reich an verbalen Feindseligkeiten, an Doppeldeutigkeiten, an versteckten Konfrontationen, zuweilen auch an Rätselhaften, keiner sagt so richtig, was er denkt, Informationen sind Macht und werden hier für sich behalten, es ist weniger Zusammenarbeit miteinander als ein Gegeneinander, obwohl man die gleiche verdreckte, verschwitzte Uniform am Leibe trägt.

Früher in den Philippinen gedreht, nun in Südamerika, damals mit Jungspunden wie Brad Johnson, Eb Lottimer oder Robert Patrick sowie einheimischen Darstellern, hier bald mit Rhys Meyers als extra eingeflogene Verstärkung, das Back-up ist schneller da als die ach so eilige Extraktion. Ein frisches Gesicht, ein spezieller Jäger, mit dem Spürhund an der Seite, der erstmal Witterung an den erschossenen Vietcong aufnimmt und dann die Fährte in das uneinsehbare, dampfende Dickicht des Waldes nimmt. "We're fighting a new enemy. They don't come from the sky, they don't come across water and they don't come on land. They come from the earth."; ein Tunnelsystem unter der Oberfläche, ein unsichtbarer Schacht, der sich durch den Boden zieh, ein Labyrinth mit Würmern und Skorpionen. 'Subterranean Warfare', ein Schachspiel mit Bauern als Vorhut und als Opfer, mit viel C4 und einer zweistündigen Frist. Von der ersten offenen Action zum klaustrophobischen Psychodrama, mit dem Grauen des Krieges als Hintergrund und albtraumhaften Szenario, das ist gut gespielt und oftmals auf den Punkt, das hat einige grausame Wahrheiten und ebensolche Brutalitäten.

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