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Nach zahlreichen gelungenen Verfilmungen des Stoffes um Jekyll und Hyde in den vergangenen Dekaden zeigt der britische Regisseur Steve Lawson wie man ihn nicht umsetzen sollte. Die nahezu amateurhafte Inszenierung ist das eine, das andere ist jedoch die eklatante Abweichung von Stevensons Literaturvorlage, in der es in erster Linie um das Thema Persönlichkeitsspaltung geht.

Anwalt Utterson wird von seinem Freund Jekyll aufgesucht, der sein Testament beglaubigen soll. Tags darauf findet die Polizei Jekylls Leiche, - vermutlich Selbstmord. Zeitgleich wird Jekyll beschuldigt, mindestens vier Frauen umgebracht zu haben, was Utterson dazu bewegt, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen…

In Lawsons Vita befindet sich unter den bislang 24 Regiearbeiten nicht ein Werk, das beim Publikum auch nur ansatzweise Durchschnitt erreichte, was sich mit vorliegendem Beitrag folgerichtig fortsetzen dürfte. Die sparsame Inszenierung gleicht einem mitgefilmten Theaterstück mit sehr wenigen Kulissen, ebenso wenigen Figuren und rar gesäten Außenaufnahmen.

Der größte Aufwand bestand augenscheinlich darin, eine Kutsche mit zwei Pferden aufzutreiben, welche zwei, bis drei Sekunden in regelmäßigen Abständen auftaucht. Außenansichten der Gebäude sind immer nur ausschnittsweise zu sehen, wahrscheinlich, um zeitgenössische Hinweise schlicht auszublenden. Und, was ja einen Reiz bei den zahlreichen Verfilmungen ausmachte: Einen Hyde, der verstohlen durch nächtliche Straßen zieht und Kontakt mit den potenziellen Opfern knüpft, ist zu keiner Zeit in dieser Form zu sehen.

Da die Angelegenheit sehr geschwätzig ausfällt und über weite Teile nur Zeugenaussagen beinhaltet, gestaltet sich das Unterfangen über Gebühr trocken und spannungsfrei. Hinzu kommen die hölzern und partiell unbeholfen agierenden Darsteller, von der wenig synchronen Übersetzung ganz zu schweigen. Stattdessen sorgen auffallend lange Überblendungen dafür, Details bei der leidlichen Ausstattung zu kaschieren, wobei zumindest die erdige Farbgebung in Ordnung geht.

Eine Art Hyde taucht zwar nach einer Stunde auf, doch sämtliche Hintergründe haben nichts mit der Romanvorlage zu tun, womit der Kern der Angelegenheit entweder nicht verstanden oder bewusst in eine neue, aber wenig logische Richtung verschoben wurde.
So können selbst 85 Minuten überaus lang anmuten, denn verpeilter, langatmiger und bewegungsarmer lässt sich der Stoff kaum umsetzen.
2,5 von 10

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