Review

Nike verleiht Flügel


Ein Film über den Nike-Deal mit Michael Jordan, der womöglich das Unternehmen rettete und die legendärsten Schuhe aller Zeiten hervorbrachte? Das kann fast nur Ben Affleck in bester „Argo“-Manier lockerflockig und dermaßen kurzweilig gestalten. Denn „Air“ ist ein Glücksfall und weitaus spritziger, moderner und weniger oscarbait'ig als man sich vorstellen könnte. Ein verdammt cooler Wurf! 

Nach seinen letzten Regiearbeiten und privaten Talwegen war es alles andere als klar, ob Ben Affleck als Regisseur nochmal in bleibende Höhen hineinstoßen können wird. Und selbst wenn er in „Air“ „nur“ viele alte Muster nochmal (erfolgreich) aufwärmt, sicher auf der 80s-Popkultur-Welle mitsurft und die Wirtschaftssportstory sicher auf den ersten Blick kein Film für die Ewigkeit ist - es ist durchaus eine sehr respektable Arbeit und teils grandiose Rückkehr zu alter Stärke. Er und Damon harmonieren einfach genial, ihre Chemie durchströmt Leinwand, Kinosaal, Filmfanseele, weit über den eigentlichen Stoff hinaus. Dazu bietet „Air“ ein paar der lustigsten, sympathischsten Kerle seit langem, vor allem in kleineren Nebenrollen. Chris Tucker sticht da deutlich hervor. Ihre Gemeinschaft, ihr Ziel, ihre Freundschaft bleibt am allermeisten hängen. Der Soundtrack ist fast schon musikvideoartig überladen mit Hits, von Run DMC bis Bruce Springsteen. Dennoch zünden die neonfarbenen 80er bei mir noch immer. Es ist eine goldene USA-Aufsteigerstory, selbst wenn Nike schon damals fast ein Milliardendollarunternehmen war. Das Dreierduell „Nike vs. Adidas vs. Converse“ bietet einige feine Witze, Zwists und kokette Vergleiche. Es dreht sich alles um Michael Jordan - und doch irgendwie gar nicht. Viel eher sind die Jungs, Kumpels und mutigen Visionäre bei Nike mit dem Rücken zur Wand hier der Kern der Sache. Ihr Zusammenhalt, ihr Mut, ihr Glück. All das schrieb im Endeffekt Geschichte, die hier ihren Schatten im Hintergrund schon spürbar zurück- wie vorauswirft. „Air“ ist top gespielt, hochwertig ausgestattet und zackig geschrieben. Man muss weder mit Wirtschaft noch B-Ball was am Hut haben, um hier eine gute Zeit zu haben. Und deswegen könnte das Teil vielleicht doch wesentlich bleibender und nachhaltiger sein, als ich es anfangs dachte und dargestellt habe. Man sollte nur keinen Spannungsfilm erwarten - denn das Ergebnis ist hier nie unklar oder gefährdet. Der Weg dorthin ist allerdings eine eingespielte Gaudi. 

Fazit: einer der coolsten „Business“- und „Dialogfilme“ aller Zeiten. Flott, lässig, on point. Interessant und unterhaltsam. Nicht nur für Basketballfans. Affleck kann’s noch. 

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