Der französische Regisseur Abel Ferry scheint ein Faible für waghalsige Kletterpartien zu haben, denn bereits 2009 schickte er in „High Lane“ eine Gruppe junger Leute in luftige Höhen. Sein hiesiger Berg-Thriller ist zwar etwas simpler gestrickt, dafür jedoch recht temporeich ausgefallen.
Bergführer Paul (Philippe Bas) möchte endlich wieder etwas Zeit mit seiner entfremdeten Teenager-Tochter Sara (Maïra Schmitt) verbringen. Zu diesem Zweck hat er eine ausgiebige Bergtour geplant, während der Sara einen Mord von Schleppern an einem Flüchtling filmt. Fortan befinden sich Vater und Tochter im Visier der Rohlinge…
Gedreht wurde im Hochgebirge der Alpen, im Nationalpark Vanoise, welcher eine abwechslungsreiche Landschaft bietet. Während der Flucht vor den vier Bewaffneten geht es durch reißende Wasser, in die Ruine einer Festung und zu einigen steilen Kletterpartien, bei denen teilweise mehr Seil benutzt wird als Paul eigentlich mit sich führt.
Natürlich ist Paul ein ehemaliger Elite-Soldat und Überlebenskämpfer, der vom letzten Einsatz noch ein Trauma mit sich herumträgt. Die problematische Vater/Tochter-Beziehung ist da nur konsequent und verleit dem Heldengespann zumindest ein Minimum an Tiefe. Ganz im Gegensatz zu den bösen Wichten, welche weitgehend profillos bleiben und darüber hinaus augenscheinlich schlechte Schützen sind.
Dabei dient das stets aktuelle Thema der illegalen Migration durch skrupellose Schleuser lediglich als Aufhänger und wird nie sonderlich vertieft, denn hier steht Action auf TV-Niveau im Vordergrund. Folgerichtig gibt es bis auf einen hanebüchenen Sprung in einen Tümpel nicht allzu spektakuläre Momente, doch den beiden Hauptdarstellern wird physisch einiges abverlangt, zumal sie sich gefühlt ein Drittel der Zeit im Wasser befinden, während der Rest mit Hangeln, Klettern oder Ducken verbracht wird.
Für ein nahezu konstant hohes Tempo ist gesorgt, während die versierte Kamera einige ansehnliche Luftaufnahmen parat hält und auch sonst die Übersicht behält, was bereits mit der Exposition und dem Freeclimbing des Helden einhergeht. Der Score hätte hingegen etwas mehr antreiben können, wogegen er bei den wenigen emotionalen Momenten deutlich drüber ist. Darstellerisch tritt wie erwähnt der Körpereinsatz in den Vordergrund, mimisch wird allenfalls Durchschnitt geliefert.
Letztlich gestaltet sich der Überlebensfilm nie überraschend, da er inhaltlich sehr simpel gestrickt ist und einige bekannte Muster gängiger Genreware beinhaltet. Trotz mancher eher unwahrscheinlicher Begebenheiten und einem etwas zu eilig abgehandelten Showdown ist durchweg Kurzweil gegeben, den Rest besorgen ein gutes Gespür fürs Timing und ein solides Handwerk.
6 von 10