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Eine gefühlte Ewigkeit ranken sich Verschwörungstheorien rund um den Vatikan. Dabei geht es nicht selten um Verschleierungen, geheime Hierarchien und mysteriöse Drahtzieher. In jüngerer Zeit haben die wohl auch so jemanden wie einen kirchlichen James Bond, wie uns der Thriller des kolumbianischen Regisseurs Sergio Dow glauben machen will.

Der vatikanische Geheimdienst schickt Priester Quart (Richard Armitage) nach Sevilla. Im Streit um den Erhalt einer Kirche ereigneten bereits zwei mysteriöse Todesfälle. Doch je weiter Quart ermittelt, umso mehr gerät er ins Visier verschiedener Interessen…

Hier gibt es gar nicht mal so viele Verschwörungen und schon gar keinen Blick in mysteriöse alte Schriften, da der Fall recht modern anmutet, folgerichtig im Hier und Jetzt spielt und sogar einen Hackerangriff auf den Papst (Franco Nero) persönlich beinhaltet. Im eigentlichen Fokus stehen lediglich zwei Interessen: Erhalt der Kirche oder Abriss durch eine Bank mit Aussicht auf fetten Profit. Dass hier mehrere Geistliche involviert sind, erklärt sich beinahe von selbst, doch bis die Handlung etwas konkreter wird, sind bereits unzählige Namen gefallen und zig Nebenhandlungsstränge eröffnet.

Eine Weile frohlocken noch diverse Bauten und Interieurs einiger Kirchen, wogegen Umgebungen wie die von Sevilla kaum zu sehen sind, was einen teils arg isolierten Zustand mancher Schauplätze vermittelt. Dennoch fällt die Ausstattung solide aus und Hauptfigur Quart wirkt nicht zu cool, um als stets gelassener Agent durchzugehen. Bei den wenigen körperlichen Auseinandersetzungen muss er zumindest ab und an auch einstecken, nur leider ist die Action insgesamt rar gesät und Temposzenen oder gar furiose Action sollte man grundlegend nicht erwarten.

Allerdings gestalten sich die Ermittlungsarbeiten ebenfalls nicht sonderlich spannend. Man stößt zwar auf einen Sumpf diverser Motivationen, doch zwischenzeitlich verliert sich der rote Faden, wenn es mit Unterthemen wie sexuellen Missbrauch, Erpressung oder der Geheimhaltung einer Straftat etwas überambitioniert zugeht. Dem Kern folgen hingegen keine allzu komplexen Wendungen, lediglich in den finalen Minuten könnte man eventuell ein wenig überrascht werden.

Darstellerisch geht die zweistündige Angelegenheit in Ordnung, der Score liefert treffsicheres Material, doch handlungstechnisch mutet der Stoff zuweilen etwas zäh an. Wer hier garstige Abgründe, bitterböse Intrigen oder spannende Machtkämpfe erwartet, wird allenfalls bedingt fündig.
5,5 von 10

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