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»Nach einer Idee von...« klingt immer gefährlich, schmeckt nach Schwindel. Und gerade bei Stephen Kings Namen ist man schon dieselbe Schriftgröße gewöhnt, wie sie der Filmtitel sonst bekommt. Was dann tatsächlich verfilmt wurde und was nur Stichwort war, interessiert an der Kinokasse wenig. Im Fahrwasser der beiden ES-Verfilmungen war es indes nur eine Frage der Zeit, wann lange auf Halde gehaltene Adaptionen wieder Grünlicht bekommen. Der hier betitelte Boogeyman erschien als Geschichte schon vor fünfzig Jahren, maß knapp zwanzig Seiten und war nicht nur grimmig und depressiv, auch richtiggehend gruselig. Wer sie noch lesen will, sollte das jetzt tun.

Denn um gleich die Interessenfrage zu klären: »Nach einer Idee« kommt hin, und selbst das nur entfernt. Tatsächlich wartet man seine zehn Minuten, bevor die eigentliche Kurzgeschichte beginnt – dann auch nur sporadisch, harsch gekürzt. Wo es im Ursprungstext um einen zerrissenen, völlig unsympathischen Vater geht, der einem Therapeuten das Schicksal seiner drei toten Kinder beichtet (und den unheimlichen Umständen dahinter), kriegt es die Verfilmung gerade hin, einen ganzen Satz (!) des Vaters wortwörtlich zu übernehmen, ehe man sich von den Fesseln der Vorlage befreit. Das passiert mit der Bulldozer-Methode, freilich (Selbstmord im hintersten Schrank des verstecktesten Zimmers, wo sonst), und ist nur Aufhänger für die weitere, weit geschwungene Interpretation.

Der Psychotherapeut ist nämlich Vater zweier Töchter, frisch verwitwet und nimmt, ungeachtet seiner Berufswahl, das eigene Seelenheil und das seiner Ältesten eher wegwerfend hin. Letztere ist noch im Selbstfindungsplot, schlüpft in die Mode der toten Mutter und zieht so halb entsetzte Blicke der Schulclique auf sich. Ansatzweise wichtig für die Handlung bleibt nur das okkulte Interesse der Tochter für die Dahingeschiedene. Weder die diversen Schulszenen, noch die Auftritte der unerträglichen Bande Mädels (großmütig als "Freunde" betitelt) bringen die Handlung irgendwie voran. Man hätte vielleicht von einem lebendigen Charakterumfeld reden können, wenn eine der Figuren (abseits der Hauptfamilie) nachvollziehbar gezeichnet (oder gespielt) worden wäre.

Im weiteren Verlauf spult sich also das Unvermeidliche ab: Die unheimliche Nachtgestalt, die den nunmehr verstorbenen Patienten heimgesucht hat, taucht auch bei dessen Ex-Therapeuten auf, nimmt die dunklen Ecken des riesenhaften Anwesens in Beschlag, blubbert und krächzt, ahmt vertraute Stimmen nach. Das ist in seinen besten Momenten tatsächlich beklemmend, verzichtet hier und da dankbarerweise auf Jump-Scares und könnte eine interessante Atmosphäre schaffen. Davon abgesehen, dass das Prinzip Pennywise praktisch in derselben Gussform geliefert wird (ernährt sich von Ängsten) - nur eben ohne Clown.

Aber wie der moderne Mainstream-Horrorfilm so ist, muss es immer größer werden, lauter und ja, entkräftend. Niemand muss eine wissenschaftliche Exkursion über den Boogeyman fürchten – da haben wir bei allen melancholischen Nebenzweigen und Piano-Klängen zu wenig Zeit für -, dennoch lässt es sich das Drehbuch nicht nehmen, die Ehefrau des toten Patienten als resolute Jägerin ins Bild zu halten, Flinte inklusive, Analysen sowieso. Da kann das Haus dann auch noch so gut gesichert sein, mit Fallstricken aufwarten und einer ganzen Armee einzeln angezündeter Teelichter (obwohl im Erdgeschoss ein halbes Flutlicht steht, ungenutzt): Auch diese Nebenquest bleibt sinnlos und ist nur da, um uns eines der spärlich gesäten Todesopfer zu präsentieren.

Denn wirklich bangen müssen wir um niemanden, ausgenommen die herzlich blassen Figuren der Vorgänger-Sippe, die man auch nur zerstört/verzweifelt erlebt. Selbst das kleine Töchterchen, gerade noch gegen den Fernseher geworfen, kommt ohne irgendeine Verletzung davon. Ohnehin scheint das Schreckgespenst ausschließlich bei Erwachsenen ein mörderisches Tempo an den Tag zu legen – bei Kindern und Jugendlichen stolpert es, lauert dreimal so lang, glotzt noch blöd. Und dass seit vermeintlich Jahrtausenden niemand auf das Feuer als Gegenwehr gekommen sein soll, macht gar nicht mehr wütend, eher betroffen.

Was bleibt, ist ein unterhaltsamer Monsterfilm, der sich künstlich streckt und windet, gegen Ende fast an seinem CGI-Ungetüm erstickt und mit weniger mehr gewesen wäre. Den King-Bezug liefern eher die unvermeidlichen Querverweise (Hausnummer 217, jaja), als tatsächliche Inhalte des Quellmaterials. In der letzten Szene scheint es gar, als würde man den überraschenden Twist der Short Story übernehmen - nur um doch noch schnell die Hand wegzuziehen. Vielleicht hätte sich diese groteske Fußnote nicht mit den sentimentalen Tönen vertragen... irgendwie hätte man sich aber derart Kante gewünscht, eine Ecke, etwas Grobes, Mutiges. Irgendwas, an das man sich später noch erinnern kann. 

5/10

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