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Begibt sich Regisseur Christopher Landon ins Geisterreich, dürfte man aufgrund vorheriger Horrorfilme wie „Freaky“ oder „Happy Deathday“ ein relativ düsteres und gleichermaßen blutiges Unterfangen erwarten. Doch sein Geist ist eher freundlicher Natur, während die Geschichte auf familientauglicher Basis an Stoffe im Stil von „Casper“ erinnert.

Umzug für den 15jährigen Kevin (Jahi Di'Allo Winston), der sich im neuen Haus seiner Eltern nicht sonderlich wohl fühlt. Bis er eines Tages auf dem Dachboden auf den Geist Ernest (David Harbour) trifft, welcher hier offenbar seit 50 Jahren haust. Während der Rest der Familie davon zerrt, dass Videoaufnahmen von Ernest binnen kurzer Zeit viral gehen, versucht Kevin mithilfe der Nachbarin Joy (Isabella Russo) die Ursache für das Geisterdasein zu ergründen. Inzwischen ist allerdings die CIA auf die Erscheinung aufmerksam geworden…

Ein Geist, der zwei Stunden kein Wort spricht und in der Gestalt eines durchschnittlichen Typen und der Frisur eines Chemielehrers (eigentlich Glatze, aber einige Strähnen über die Fleischmütze gekämmt) eher harmlos anmutet? Lange Zeit lebt der Stoff davon, wie rasch sich so eine Erscheinung über die Medien verbreitet, einschließlich einer Ernest-Challenge, bei der Leute vergeblich versuchen durch eine Wand zu laufen. Die Charakterisierungen der Familienmitglieder, einschließlich eines angedeuteten Vater/Sohn-Konflikts gehen in Ordnung und auch der eher schüchtern auftretende Kevin kristallisiert sich aufgrund seiner Hilfsbereitschaft schnell als Sympathieträger heraus.

Derweil treibt der transzendente Geist ein paar kleine Scherze, indem er sich unsichtbar machen kann, jedoch auch die Möglichkeit besitzt, mit etwas Body-Horror dem jüngeren Publikum das Fürchten zu lehren, da ein eingeschmolzenes Antlitz und ein dazugehöriger Spinnengang mit umgedrehten Kopf nicht unbedingt für die Kleinen geeignet ist.
Ansonsten ist das Spiel zwischen Gut und Böse leicht verdaulich und mit einigem Humor angereichert, bevor es im letzten Drittel zunächst turbulent zugeht, um danach die Richtung eines Thrillers für den Showdown einzuschlagen.

Ein wichtiger Bestandteil des unterhaltsamen Unterfangens ist sein Humor, der sich oftmals aus Details am Rande ergibt, wie den Belagerern vor Kevins Haus und den dazugehörigen Botschaften oder der überzeichneten Reaktion derer, die dem Geist begegnen, wozu im späteren Verlauf auch einige Cops und ein TV-Medium zählen.
Für tiefer gehende Emotionen sorgt indes das ausdrucksstarke Spiel von David Harbour, der in seiner nonverbalen Kommunikation nahezu jede Szene an sich reißt und im Verlauf durchaus für Actionszenen mit übersinnlichem Anteil taugt. Aber auch die übrigen Mimen performen grundsolide.

Mit rund 127 Minuten Laufzeit entstehen zwar minimale Längen, wonach kleine Straffungen gewiss nicht geschadet hätten und doch vermag sich der latente Schwung des Unterfangens locker aufs Publikum zu übertragen, da die Mischung stimmt und eben nicht immer Blut und Folter bemüht werden müssen, um das Treiben eines Geistes ansprechend zu gestalten.
Eine sympathische Mischung, die es zwischen Humor, Action und Zwischenmenschlichem schafft, nie albern oder kitschig zu werden.
7,5 von 10

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