Ein Jahr ist es nun schon her, daß das zweigeschoßige Haus mit Garten irgendwo in Chicago leer steht, seit es seine früheren Bewohner eines Nachts Hals über Kopf verließen, doch nun zieht hier die vierköpfige afroamerikanische Familie Presley aus einer anderen Stadt ein. Daß der günstige Preis daher rührt, daß es dort spuken soll, erwähnt die Maklerin nicht, doch schon bald wird der jüngere Sohn Kevin (Jahi Di'Allo Winston) mit dem Geist Bekanntschaft machen.
Als der etwas grüblerisch veranlagte 16-Jährige nämlich allein auf dem Dachboden sitzt, erscheint plötzlich eine sich wild gebärdende, gelblich leuchtende Person aus dem Nichts. Doch der Allerweltstyp Mitte Vierzig im Bowlinghemd erschreckt den Teenager nicht, sondern animiert diesen eher zum Lachen, während er die ungewöhnliche Begebenheit mit dem Handy abfilmt.
Neugierig geworden möchte Kevin mehr über den Geist erfahren und baut in den nächsten Tagen und Wochen so etwas wie eine Freundschaft zu Ernest (David Harbour) auf: der kann zwar nicht sprechen und hat überdies sein Gedächtnis verloren, wie er in diese Situation geraten ist, auch kann er das Haus nicht verlassen, dennoch gelingt es Kevin, Bruchstücke aus dessen Vergangenheit zu rekonstruieren, wobei ihm auch seine gleichaltrige asiatische Schulkollegin Joy Yoshino (Isabella Russo) aus der Nachbarschaft hilft.
Dummerweise bekommt Kevins Vater Frank (Anthony Mackie) Wind von der Geschichte und will die Spukgeschichte finanziell ausschlachten, was anfangs auch gelingt, später jedoch einen Belagerungszustand von Reportern, Journalisten und jeder Menge Freaks und Neugieriger nach sich zieht, sodaß die Familie kaum mehr vor die eigene Tür treten kann. Als schließlich auch noch ein privater Sender eine Livesendung mit Ernest aus dem Wohnzimmer überträgt, kennt der Hype um den somit als "echt" erwiesenen Geist keine Grenzen mehr...
Christopher Landons (Happy Death Day) neuestes Werk mit dem programmatischen Titel We Have a Ghost beginnt zwar mit einer vielversprechenden Prämisse, doch dann geht dem Streifen schnell die Luft aus: zu chaotisch und zu wenig einem roten Faden folgend vermischt das Drehbuch dann Komödie, Mystery und Seifenoper, um am Schluß in eine gefühlsbetonte, kitschige Schmonzette umzuschlagen.
Während der als Loser auftretende Ernest durchaus Potential hätte (David Harbours Mimik ist leider völlig verschenkt), läßt ihn das Drehbuch vom Mitleid eines Teenagers profitieren, der es sich in den Kopf gesetzt hat, dessen Fall zu lösen. Die damit festgelegte Zielgruppe mag sich von dem sehr präsenten Thema Social Media (wie den Einblendungen der Reaktionen auf Kevins Youtube-Clips, dessen Klickraten etc.) angesprochen fühlen, auch eine spätere Autoverfolgung zu Lasten sich total blöd anstellender Ordnungshüter und die grundsätzliche Fokussierung auf die Gefühlswelt des 16-Jährigen, der Ernest vor der geifernden Meute (inklusive seines geschäftstüchtigen Vaters) schützen möchte, weisen unzweifelhaft auf ein jugendliches Zielpublikum hin.
Leider bleibt We Have a Ghost für erwachsene(re) Seher dann so ziemlich alles schuldig, was einen Gruselfilm auszeichnet: neben der grundsätzlich fehlenden Spannung gibt es weder eine Erklärung dafür, wieso Ernest an das Haus gebunden ist (später kann er es ja doch verlassen), noch wird sein optisch wenig auffälliges Erscheinungsbild, seine Lethargie oder seine Existenz in dieser Art Zwischenwelt näher erklärt. Selten Eigeninitiative zeigend macht er meist, was von ihm verlangt wird, ob Grimassen schneiden oder unsichtbar werden.
Die Mitglieder der Familie Presley selbst haben so ziemlich gar kein Verhältnis untereinander: eine lieblos zusammengestellte Truppe, von denen der Vater als großsprecherisch erscheint, die Mutter sich nur mit einer irritierenden Bemerkung über "blöde weiße Familien in Horrorfilmen" bemerkbar macht und der ältere Bruder kaum 2 Minuten Screentime bekommt - eine bemerkenswerte (Nicht-)Charakterisierung, wie geschaffen für Sympathieträger Kevin, der allerdings ohnehin sein eigenes Ding macht.
Ganz schwach übrigens auch ein paar nebenbei eingeführte CIA-Fieslinge, die Interesse an Ernest zeigen, da sie diesen als "Terroristen" betrachten und mit blauen Lasergewehren herumballern (wtf?) - die ganz zum Schluß noch aus dem Hut gezauberte Thrillergeschichte setzt dem schwachen Drehbuch schließlich die Krone auf.
Während das Attribut Horror für diese Spukkomödie ohnehin völlig deplatziert erscheint, kann man wenigstens mit ordentlichen Produktionswerten punkten, doch mehr als ein typisch seichtes Hollywood-Filmchen für die ganze Familie, ebensoschnell vergessen wie gesehen, ist der mit über 2 Stunden Laufzeit auch noch deutlich zu lang ausgefallene We Have a Ghost dann doch nicht geworden. 4 Punkte.