Es ist eine äußerst angespannte Atmosphäre, die Anfang April 1940 im Hotel am Hafen der titelgebenden kleinen norwegischen Stadt Narvik herrscht: die deutschen und britischen Delegationen belauern sich an ihren jeweiligen Tischen gegenseitig, während der norwegische Bürgermeister händeringend die Neutralität seines Landes reklamiert. Zu wichtig jedoch ist der ganzjährig eisfreie Hafen seiner Stadt vor allem für die deutsche Rüstungsindustrie, die über Narvik einen Großteil des per Bahn dorthin transportierten schwedischen Eisenerzes bezieht - und genau dieser Punkt spielt auch für die Briten eine gewichtige Rolle, die deswegen Teile ihrer der deutschen weit überlegenen Flotte Richtung Narvik beordert haben. Als Erste schlagen die Deutschen zu und besetzen nach verlustreichem Seegefecht mit den Briten kampflos, aber unter Bruch der norwegischen Neutralität den Hafen von Narvik.
Für die Kellnerin Ingrid Tofte (Kristine Hartgen), die mit ihrer Familie gegenüber des Hotels wohnt, bringt dies einige Änderungen mit sich: zwar kann sie am nächsten Morgen wieder ihren gewohnten Dienst antreten, doch ist das Hotel nun Quartier nur noch der deutschen Delegation, deren Konsul Fritz Wussow (Christoph Bach) sie wie am Vortag höflich um ihre Dolmetscher-Dienste bittet. Obgleich ihr Vater Aslak (Stig Henrik Hoff) dies nicht goutiert und ihr Gatte Gunnar (Carl Martin Eggesbø) sich mit anderen Norwegern zur Vorbereitung von Sabotageakten gegen die Besatzer zurückgezogen hat, fügt sich Ingrid aus Sorge um ihr Baby den neuen Umständen. Gleichzeitig unterstützt sie jedoch die Briten, indem sie deren Konsul samt Begleiter eine einsam gelegene Berghütte zuweist, von wo aus diese die Standorte der deutschen Verteidigung nach London melden können.
Unterdessen gerät Gunnar, nachdem er eine strategisch wichtige Eisenbahnbrücke gesprengt hat, in deutsche Gefangenschaft, während ein inzwischen angelandetes großes Expeditionskorps aus Franzosen und Polen gemeinsam mit den Norwegern vom Landesinneren her Richtung Narvik vordringt. Britische Luftangriffe zerstören schließlich Ingrids Elternhaus, töten ihren Vater und verletzen den Säugling - in dieser Not bittet Ingrid den deutschen Konsul um ärztliche Hilfe für den Kleinen und verrät dafür trotz großer Gewissensbisse den Standort der beiden Briten am Berg. Dies rettet zumindest dem Baby das Leben, das im schwer unter Beschuß liegenden Narvik zahlreichen verletzten Soldaten vorgezogen behandelt wird, ändert jedoch am Verlauf des Krieges nichts mehr: die Alliierten, unter ihnen der befreite Gunnar, dringen immer weiter vor.
Ingrid aber weiß davon nichts und erfährt auf Nachfrage vom abreisenden deutschen Konsul, daß Gunnar von der Gefangenenliste getrichen wurde, was vermutlich dessen Tod bedeutet. Als sie im zerstörten Elternhaus ihre Habseligkeiten zusammensucht, erscheint dort auch der mit den siegreichen Truppen einmarschierte Gunnar...
Hitlers erste Niederlage ist die norwegische Produktion Narvik untertitelt und nimmt damit schon ein wenig das Ende des Films vorweg, doch tatsächlich steht, abgesehen von einigen passabel inszenierten Kampfszenen, das Handeln der jungen Hotelangestellten Ingrid im Mittelpunkt: wie verändert der Krieg den Alltag von Zivilisten, was gilt als Kollaboration und was ist reine Überlebenstaktik zugunsten der eigenen Familie? Kann man als Frau und Mutter den höflichen Bitten des deutschen Konsuls (der im skandinavischen Norwegen auf den in besetzten osteuropäischen Ländern üblichen, rassistisch motivierten Herrenmenschen-Kasernenton verzichtet) nach Übersetzungsdiensten ablehnen? Anhand des durch einen Querschläger verletzten Kindes stellt sich Ingrid (und damit dem Zuseher) die Frage, was höher zu bewerten ist: das Individuum oder das Kollektiv. Im Rahmen der Familiengeschichte der Toftes, bei der beide jungen Elternteile auf jeweils verschiedenen Seiten der Front stehen, überläßt es Regisseur Erik Skjoldbjærg dabei weitgehend dem Publikum, das Geschehen zu bewerten.
Mit dem Untertitel Hitlers erste Niederlage appelliert Narvik natürlich auch an den norwegischen Patriotismus, als kleines, von den Deutschen überfallenes neutrales Land zu Hitlers erster Niederlage beigetragen zu haben, indem Gunnar nicht nur eine waghalsige Brückensprengung gelingt, sondern später unter seiner Führung auch MG-Nester und ein Eisenbahngeschütz neutralisiert werden. Mit dem Einzug der siegreichen Norweger und Franzosen in Narvik endet der Film - tatsächlich zogen sich die Alliierten wenige Wochen später, Anfang Juni 1940 wegen des Krieges in Frankreich wieder zurück, woraufhin die Deutschen erneut Narvik besetzten - diesmal bis Kriegsende 1945.
Seine zweifellos stärksten Momente entwickelt der Film übrigens erst in der Schluß-Viertelstunde, als sich nach Ende der Kampfhandlungen sämtliche in den Wochen zuvor unterdrückten Emotionen Bahn brechen und dabei ein sehr weites Spektrum menschlicher Verhaltensweisen offenbaren.
Fazit: ein weitgehend tadellos inszeniertes Kriegsdrama ohne größere Überraschungen, dessen emotionaler Schluß über das Filmende hinaus noch nachwirkt. 7 Punkte.