Der Horror der Geburt und des Elternseins ist ein dankbares Thema des Genrefilms, das seit ROSEMARY’S BABY bereits zahlreich behandelt wurde. Doch vielleicht noch nie so nah an der Realität wie hier.
Die perfektionistische Erfolgsbloggerin Josephine (fantastisch und mit vollem Einsatz gespielt von Noémie Merlant) erwartet ihr erstes Kind und ihre Follower erwarten mit. Doch als Baby Ruby auf der Welt ist, erweist sich das Neugeborene als dämonischer Schreihals, der die beherrschte Jo an den Rand des Wahnsinns treibt.
Selten wurde die Situation des „schwierigen“ Neugeborenen so drastisch und auch so kunstvoll inszeniert. Quälend lange leiden wir mit Jo unter dem nicht enden wollenden Babygeschrei und sind kurz davor, ihre sich langsam entwickelnden Mordfantasien nachvollziehen zu können. Der Druck eigener und öffentlicher Erwartungen ist so groß, dass jederzeit alles passieren könnte. Da hilft es nicht, dass Jo auch noch höchst unangenehme Alpträume hat – als Zuschauer ist man irgendwann nicht mehr sicher, ob es sich tatsächlich um einen Traum handelt.
Bess Wohls Filmdebut ist kein gewöhnlicher Horrorfilm, sondern eher eine filmisch-psychologische Darstellung postnataler Depression mit Genremitteln. Das hat dem Film vermutlich seine unterdurchschnittlichen Bewertungen eingebracht – der Film geht wirklich unter die Haut.