Review
von Leimbacher-Mario
Ruby Ruby Ruby!
„Baby Ruby“ ist astreiner Dramahorror über pränatale Depressionen, die allgemeinen Ängste des Elternwerdens und die Zwänge, Erwartungen, Vorurteile der Gesellschaft gegenüber modernen Müttern. Bess Wohls labil-deprimierendes Parentalpsychogramm handelt sehr simpel und basic von einer Neumutter, die es überhaupt nicht schafft mit ihrer Tochter zu connecten und immer mehr dem Stress, der Wut, der Hilflosigkeit verfällt, den fast alle Eltern in Maßen wiederkennen werden. Doch bei ihr nimmt das schnell krankhafte und gefährliche Züge an, Kopfkino und Depressionen nehmen die Überhand…
Überblenden und Collagen, Wahnsinn und Schlafdefizite, Influencererwartungen und Beziehungsprobleme, Tochterterror und Muttermania. In „Baby Ruby“ verschwimmen hier nahtlos und audiovisuell oft sehr, sehr verspielt und verschmitzt die gefährlichen Grenzen. Mit bitterbösen Spitzen des schwarzen Humors und teuflischen Finten. Noemie Merlant liefert einen weiteren Beweis für ihr enormes Talent und warum man sie im Auge behalten sollte. Gerne öfters auch im Genre, selbst wenn ich natürlich auch „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ grandios fand. Und dieses Level erreicht ein „Baby Ruby“ leider nicht. Deutlich hintenraus sogar, wenn zu viel in der Luft baumeln gelassen wird. Aber dennoch gibt’s immer wieder sagenhafte Momente, die unter die Haut gehen. Etwa wenn man einen Moment damit spielt, dass das Baby ja gerade im Kochtopf sein könnte. Jip, es wird düster. Bleibt jedoch immer recht realistisch und dem ernsten, echten und fast jeden betreffenden Thema angemessen. Gar nicht mal zu sehr Genre, viel mehr überhöhte Realität, an die Belastbarkeit und Grenzen gehendes Leben, Alltag meets Alptraum. Jedoch wird selbstverständlich die absolut wundervolle Seite der Elternschaft gekonnt ignoriert, muss ich als frischgebackener Vater allen entgegenhalten, die nach sowas sagen: „Deswegen möchte ich keine Kinder“.
Fazit: feinster Babyterror, der gewohnte Subgenrestandards mit cleverem Editing und guten Darstellern vor allem untergründig-psychologisch durchbricht und in angespannte Höhen stemmt. Ein Elternalptraum, der mir persönlich hintenraus leider zu wenig auflöst und zu viel unter den Tisch der Spekulationen fallen lässt. Insgesamt auch zu monoton. Schlecht aber nie. Als Ergänzung zum und für Fans vom „Babadook“.