Den Tapetenwechsel ins ländliche Norwegen hatte sich Liv Berg (Liv Mjönes) etwas anders vorgestellt: kaum ist die verwitwete Osloer Polizistin samt neuem Freund und beiden Töchtern in ihrer neuen Wahlheimat Nybo angekommen, muß sie sich schon mit einem übersinnlichen Phänomen beschäftigen. Denn als ihre pubertierend-rebellische Teenagerin-Tochter Thale (Elli Rhiannon Müller Osbourne) am Vorabend mit den neuen Klassenkameraden ausging, wurde das Trio von einer bissigen Kreatur angegriffen, die eins der Mädchen in den Wald mit sich fortriss.
Die kurz darauf mit zahlreichen Bißwunden und abgerissenem Unterarm aufgefundene Leiche der Schülerin läßt die Polizei auf einen Wolf schließen - zur Sicherheit wird ein junger Wolfsspezialist aus Oslo hinzugezogen, der den Verdacht bestätigt, das Tier jedoch als eine besondere Spezies charakterisiert. Ein wunderlicher alter Mann taucht auch noch auf der Wache auf, faselt von einem Werwolf, den er schon lange jagt und gibt Kommissarin Liv eine silberne Patrone.
Als sich dann eine Handvoll Jäger mit den Polizisten auf den Weg macht, den Wolf zu erschießen, müssen diese schnell feststellen, daß die Bestie durchaus angriffslustig ist - doch während ihre Mama mit den Kollegen im Wald ist, bemerkt Thale, die von dem Wolfsangriff auf die Schüler eine leichte Verletzung am Schlüsselbein davontrug, merkwürdige Veränderungen an sich selbst...
Eigentlich könnte man froh sein, daß mit dem norwegischen Streifen Viking Wolf mal wieder ein Vertreter des Genres Creature Horror am Start ist, doch leider ist dieser Netflix-Film trotz ordentlicher Produktionswerte derart vorhersehbar und langweilig geraten, daß sich schon vor der Filmmitte das große Gähnen bemerkbar macht. Aus dutzenden Versatzstücken der bekannten Werwolf-Thematik wurde hier ein Drehbuch zusammengeschustert, das peinlich genau darauf bedacht ist, nur ja keine neue Idee oder gar einen Plot Twist einzubauen.
Zum schlechten Eindruck trägt auch die jugendliche Darstellerin Elli Rhiannon Müller Osbourne bei, die mit ihrer ohnehin nicht sonderlich herausfordernden Rolle als Tochter klar überfordert ist - ihr nervöses Gehabe geht einem schnell auf die Nerven, womit dann nur noch ihre Mama als Sympathieträgerin(?) übrigbleibt. Die macht ihre Sache zwar ganz gut, scheitert schlußendlich aber am schwachen Drehbuch, das aus ihrer (möglichen) Führungsrolle viel zu wenig herausholt. Die angedeutete Familienprobleme mit Thales neuem Ersatzvater, der brav zu Hause kocht, bleibt in Ansätzen stecken - später bricht der brave Mann über dem Lenkrad zusammen und ward niemals wieder gesehen oder gar erwähnt. Hätte man sich genauso schenken können wie die stumme kleine Schwester oder das Intro mit den mittelalterlichen Wikingern, die den Mini-Werwolf aus einem französischen Klosterkeller befreien und nach Skandinavien mitnehmen.
Auch sonst stimmt an Viking Wolf so einiges nicht, angefangen von dem jungen Wolfsexperten, der selbst wie ein Schüler aussieht über die stets nur sehr wenigen Polizisten, die angesichts der drohenden Gefahr seltsamerweise kein technisches Gerät wie eine Wärmebildkamera oder einen Heli, vor allem aber niemals Verstärkung anfordern bis hin zu einem offenbar wissenden Eigenbrötler, der in einem alten Wohnwagen haust und sich seine - selbstverständlich silbernen - Gewehrkugeln selbst gießt. Daß ausgerechnet dieser passionierte Jäger den Werwolf dann nicht etwa mit den Silberkugeln erlegen, sondern mit dem Wohnmobil überfahren will, setzt dem unausgegorenen Plot schließlich die Krone auf.
Bleibt noch zu erwähnen, daß der CGI-Werwolf, der allerdings eher Ähnlichkeit mit einer Hyäne hat, wenigstens einigermaßen passabel ins Bild gesetzt wurde und am Ende auch öfters animiert gezeigt wird, doch ändert dies nichts am insgesamt schwachen Eindruck, den Viking Wolf hinterläßt: gerade noch 4 Punkte.