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Sieben Oscars konnte Make-up-Artist Rick Baker bisher entgegen nehmen, - natürlich auch für die exzellente Maske in „American Werwolf“ von 1981. Noch heute müssen sich Creature Designs mit jenem Standard messen lassen, was zwar mithilfe von CGI und entsprechendem Budget immer besser gelingt, doch häufig hinter den praktischen Effekten zurückbleibt. Immerhin watet vorliegender norwegischer Beitrag mit einer tauglichen Kreatur auf, die gegen Ende offenbart, wie viel Potenzial unterwegs liegen gelassen wurde.

Seit Thale mit ihrer Familie von Oslo in die Kleinstadt Nybo gezogen ist, läuft es alles andere als rund. Als während einer Waldparty zwei Teens attackiert werden und ein Mädchen verschwindet, muss Thales Mutter Liv als örtliche Polizistin den Fall übernehmen. Derweil scheint Thale eine Verbindung zu der Kreatur aufzubauen…

Wie die Exposition ein paar Jahrhunderte zurück untermauert, handelt es sich um Fenris aus der nordischen Mythologie, dem auch Geisterjäger John Sinclair bereits begegnete. Im Grunde ist es jedoch ein üblicher Werwolf, der die Weiten des Nordens durchstreift und nun in dem kleinen Örtchen angekommen ist. Leider wird die Geschichte von einer oberflächlichen Form von Coming-of-Age durchzogen, dazu kleine Familienprobleme und Abgrenzung der Hauptfigur, was die Chose in der ersten Hälfte recht schleppend anmuten lässt, zumal die Bedrohung erst in der zweiten Hälfte merklich aktiver wird.

Einzig eine Leichenschau hält Horrorfreunde für ein paar Minuten bei Laune, während Visionen einer vermeintlichen Transformation wenig kreativ daherkommen und lediglich einige Landschaftsimpressionen auf der Habenseite zu verbuchen sind. Zwar performen die Mimen ordentlich und primär überzeugen die jüngeren eher als die Erwachsenen, doch selbst mit dem Auftauchen des klischeebesetzten Jägers will sich der notwendige Schwung nicht einstellen und auch kleine Querverweise zu Spielbergs „Jaws“ bringen abseits fehlenden Humors nicht viel.

Anders und damit deutlich unterhaltsamer gestalten sich die Abläufe mit dem Aktivwerden des Werwolfs, einschließlich gut gemachter Verwandlungseffekte und einer Computerbestie, die zum Finale Teile des Ortskerns ordentlich aufmischt. Hier hätte die Inszenierung gewiss noch ein wenig blutiger ausfallen dürfen, doch der Bodycount ist angemessen und der Werwolf ist in Sachen Design und Bewegungen durchaus passabel ausgefallen. Das offen anmutende Ende bremst zwar noch ein wenig aus, doch der Showdown kaschiert einige Mankos des etwas zu zähen Vorlaufs.

Insofern verspielt Regisseur Stig Svendsen („Elevator“) die Chance eines kreativ-blutigen Reißers, indem er zwar auf taugliche Figurenzeichnungen setzt, jedoch zu wenig Action einbindet und der vorhersehbaren Geschichte keine relevanten Überraschungen beimischt.
Das teils aufwendig inszenierte Finale untermauert in einigen Belangen, was im Endeffekt möglich gewesen wäre.
5,5 von 10

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