Immer wenn Netflix nach einem dezent erfolgreichen Film (hier: „Troll“) mit weiteren Beiträgen aus der ungefähren kreativen Nachbarschaft um die Ecke kommt, ist Vorsicht geboten, denn meistens dient die Chose nur der Kundentäuschung…pardon…Kundenbindung.
So auch in diesem Fall: wenn schon Skandinavier an der heimischen Monsterfront aktiv werden, dann hatte der Drehbuchautor bestimmt noch ein weiteres Skript in der Schublade. Und richtig, mit „VikingWolf“ machte Espen Aukan den Doppellauf komplett, allein, es ist ihm nicht genauso gut gelungen.
Was jetzt nicht heißen soll, „VikingWolf“ wäre ein enorm schlechter Film, visuell hat er einige nette Momente zu bieten, das Setting ist toll und wäre das ein TV-Drama über zerbrechende Familien und Tragödien gewesen, ich hätte vermutlich mehr spendiert.
Als Werwolffilm allerdings kommt der Beitrag leider nie so recht aus den Schneeschuhen oder sucht sich kurzerhand alles zusammen, was frühere Produktionen rausgebracht und liegen gelassen haben.
Also erstmal kleinen Prolog aus der Wikingerzeit, wo angeblich vor 1000 Jahren ein Höllenhund von Wikingern befreit worden sein soll und nach allerlei Rumgeschlachte in die Skandi-Wäldern entkommen war. Das hat mit dem Film dann aber wohl nichts Besonderes zu tun, denn der Prolog wird zwar noch mal aufgegriffen, hat aber jetzt nur wenig mit dem Ideal-Standard-Werwolf des Films zu schaffen.
Dann kommt der Familienkonflikt: Mama mit neuem Mann, Mama als Polizeichefin in der Provinz, Teenagertochter frustriert und die Schwester (taubstumm) kassiert mehr Aufmerksamkeit (ist aber auch mit wenig zufrieden). Die Mitschüler bitchen ungeschickt, die vermeintliche Hauptdarstellerin Thale wehrt sich nicht genug und als ihre Hormone endlich bei einem Einheimischen laden, tritt Hasso aus dem Tann, versnackt die Tochter der Bürgermeisterin und lässt zwei schreckgeweihte Teenager zurück.
Während die Kleinstadt nun mühsam auf Wolfsjagd umsattelt (Tenor: die Polizeichefin macht es, weil sich alle männlichen Einheimischen quasi einscheißen), stellt man irgendwann fest, dass Thale wohl latent gebissen wurde und nun – hossa – bald die üblichen wölfischen Eigenarten entwickelt. Zur Filmmitte formt sich dann auch ihr Gesicht um und schwupps – ist die Hauptdarstellerin verschwunden, da sie sich in dieser Version der Story nicht noch mal zwischendurch zurück verwandelt.
Das Zepter schwenkt ab sofort Mutti, die so viel zu tun hat, dass sie die Absenz ihrer Tochter bis kurz vor knapp gar nicht bemerkt. Derweil taucht ein bereits halb zernagter Werwolfjäger auf und macht ominöse Andeutungen, wenn er nicht gerade Silberkugeln verteilt. Welche dann auch wirken. Ein sehr, sehr, sehr junger Wolfsexperte wiederholt dann via Experimenten, was wir eh schon wissen (allerdings im Film offenbar niemand) und am Ende caust der Wolf ein wenig havoc, ehe Mutti ihrem Sprößling den Fangschuss gibt.
All das endet in einer berührenden Szene, die man bei gutem Willen auch als mitfühlenden Kommentar für Uttoya verstehen kann, als die Eltern in Gedenken ihrer Kinder, die sie verloren, eine Kerze anzünden, aber der Rest ist eine – klar, ist ja skandinavisch – sehr spröde Kiste auf ordentlichem TV-Niveau, aber für einen Werwolffilm ein ganz alter Hut aus der Mottenkiste.
Dass der Film nach einer Halbzeit von einem Protagonisten komplett auf einen anderen umschwenkt, ist der Kundenbindung nicht eben zuträglich und dass die Thale-Darstellerin Ellie Osbourne weder preisverdächtig agiert, noch einigermaßen sympathisch rüberkommt (auf deutsch: die sich perma-querstellende Bratze ist uns zunehmend egal), setzt die emotionale Komponente der Geschichte auch nicht in Flammen. Wesentlich besser ist ja Liv Mjönes als ihre Mama, die sich dem Untier stellen muss.
Tricktechnisch bewegen wir uns auf mittelprächtigem Niveau, einige Bluteffekt sind recht derbe, aber die Wolfsanimation fällt ziemlich uneben aus, häufig wirken die Bestien ziemlich künstlich und beim Schnitt flunkert man sich häufig in Angriffsszenen aus dem höheren Rating mittels des beliebten „ihr habt es beinahe genau gesehen“-Schnitts heraus.
Wer natürlich noch nie einen Film mit Werwölfen gesehen hat, der wird sicher zufriedener sein, mir haben die vielen abgedroschenen Klischees und die faden Figuren von der Stange den Spass verdorben. Es schmerzt zwar nicht „VikingWolf“ zu schauen, aber wenn der eine kundige Charakter den ganzen Film seine Lösung des Konflikts bewirbt und dann im Showdown statt mit Silberkugeln mit einem Auto auf die Bestie losgeht (was ihn dann auch sein komplettes Gesicht kostet, dann komme ich auch mit Mühe nicht über 4/10 hinaus.