Actionthriller mal in einer anderen Umgebung, nicht Ostblock, wie es jahrelang gängig war, zuletzt aber auch eher selten, auch nicht Kanada oder Georgia als Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika, hier wird höchstpersönlich vor Ort im guten alten Europa, in den Niederlanden, Stätte der Mühlen und der Grachtenhäuser und mit einem 'Star' von dort, einem echten Verhoeven gar gedreht. Interessanter für die meisten Zuschauer als der lokale Mann wird eher sein Gegenüber, Frank Grillo, oder vielleicht noch der Regisseur, Todor Chapkanov, frisch von Hallmark-Weihnachtsfilmen, zuvor aber auch mit Undisputed 4 beauftragt gewesen sein. Im Übrigen bleibt man nicht bloß vor Ort, sondern geht in die ganze Weltgeschichte, die Eröffnung ist in Hamburg, direkt vor und in der Elbphilharmonie:
Nach fünf Jahren 'Flucht' nach einem traumatischen Ereignis kehrt Matteo Donner [ Rico Verhoeven ] ehemaliges Mitglied einer Spezialeinheit nach Amsterdam zu seinem Patenkind Angie [ Pippi Casey ] und deren Mutter Helene Woodley [ Marie Dompnier ], der Witwe seines Kommandeur und besten Freundes zurück. Helene ist mittlerweile mit dem Aktienhändler Paul [ Peter Franzén ] verheiratet; Paul hat Probleme mit dem Drogenhändler Gabriel Saban [ Frank Grillo ], was nicht bloß die Aufmerksamkeit von Interpol durch die Agenten Fischer [ Kevin Janssens ] und Brasel [ Rona-Lee Shim'on ] erregt, sondern bald auch zu Matteos Privatkrieg wird.
Eine brutale Geiselnahme, eine schnelle Entgegnung, die Spezialeinheit greift ein, hundertmal geübt, hundertmal studiert, jetzt im Ernstfall. Den Entführern geht's ums große Geld, die Bühne ist vermint, die Forderung wird live übertragen, Kriminalität im großen Stil als Realityshow, Terrorismus als Clickbait. Die Stürmung ist ein Erfolg und ein Fiasko zugleich, sie ist nicht taktisch, sondern improvisiert, es wird gefeuert, dass die Rohre glühen, es wird geschlitzt und massakriert.
Das Vorstellen eines gefallenen Helden, ein Trauma im Beruf und in der Berufung, der Verlust eines geliebten Menschen, ein "fünf Jahre später" als zeitliche Verortung, der Mann ist nach außen hin immer noch ein Kerl, er trägt den Baumstamm einhändig, der Blick stumpf, die Muskeln groß, er trauert leise, die Gesellschaft wird in der Einsamkeit und in einem guten Buch gesucht. Irgendwann geht es dann doch zurück in die Heimat, nach Amsterdam, voller Erinnerungen, dafür ohne Job und ohne Geld.
Die Bilder, die Chapkanov hier geboten bekommt und einzufangen versteht, sind etwas größer als zuletzt im Genre gewohnt, schon die einleitende Schießerei in der Aula und den Vorräumen schuf einige Eindrücke, eine Razzia am Hafen wirkt auch aufwändiger als üblich, die Produktionsbedingungen der Niederländer wohl besser gestellt, oder man gibt sich einfach Mühe. Eine emotionale Aufbereitung der einleitenden Szene macht den Film nicht schneller, verleiht ihm aber etwas Tiefe, außerdem werden weitere Figuren eingeführt, die Aktionen auslösen und Reaktionen, Black Lotus wird nicht bloß auf zwei breiten Schultern und mit einem stets gesenkten Blick getragen, sondern verteilt seine Last; auch wenn mancherlei Dialoge unnötig wirken und zu oft aufgesagt schon sind und generell viel sinniert und hinausgezögert wird.
Die Verbindung der ganzen einzelnen Puzzles kommt dann eher zufällig, zur falschen Zeit am falschen Ort quasi, und die falschen Leute kennengelernt. Eine Referenz an Verfluchtes Amsterdam später (und schon zur Mitte der Laufzeit) wird das Szenario etwas an- und aus dem Sumpf des Dramas herausgezogen, eine Entführung auf offener Straße, einige Autostunts, eine vorgetäuschte Lösegeldübergabe, die in einer Explosion und manchen Toten endet, ein Messerkampf im Elternhaus: Handwerklich ist das gut gemacht, darstellerisch ohne Ausfälle, es wirkt wie ein 'richtiger' Film (der in den Niederlanden selber auch im Kino gezeigt wurde), es wirkt nur von allem etwas wenig.