Review

Aus Irland kommen hübsche Sachen, das hab ich zuletzt häufiger festgestellt und deshalb gebe ich auch mal grünes Licht (jaja, hübscher Insiderwitz) für „Bring out the Fear“, einen Film, den man quasi für lau irgendwo in einem kleinen Waldstück runtergerissen hat und der mit gerade mal drei Mitspielern auskommt.

Die Grundkonstellation ist vorbelastet: Rosie und Dan haben keine gute Beziehung, denn Rosie kämpft gegen die allmächtige Flasche an (Dan auch, aber etwas weniger willig) und hat Dan schon mal betrogen, mit dem soliden Eric. Den warnt Dan schon abfällig vor, bevor er auf die zweitblödeste Idee kommt, die er in dieser Situation haben kann: er geht mit ihr auf einen Wanderausflug und plant dort einen Heiratsantrag. (Für alle die fragen, was der blödeste gewesen wäre: lass uns ein Kind kriegen!).

Die Wanderung durchs Gehölz (mal dichter, mal sehr offen, die haben halt nicht so viel Wald in Irland) verläuft zunächst noch bemüht, aber als der Ring an einer wirklich schönen Aussicht geritten kommt, ist es mit Rosies Goodwill vorbei. Das vergrätzt nun wieder Dan, der den Klunker in den Wald pfeffert, aber da kommt es bald dramaturgisch enorm gut, dass der Rückweg länger und länger wird, der Wald immer urwüchsiger, es endlose Stunden hell bleibt und das Auto nicht in Sicht kommen will.

Während bald die Verzweiflung und die Vorwürfe losgehen, wird das alles garniert mit seltsamen Holzbasteleien, die man sich aus „Blair Witch“ entliehen hat und die allerorten aufzufinden sind und seltsamen Erscheinungen im Wald, die immer mit dem Rücken zu den Wanderern in der Botanik stehen. Irgendwann scheinen die unheimlichen Echos der Vergangenheit (inclusive Weinflaschen) geradezu aus dem Waldboden zu wachsen.

Damit ist der Plot dann auch umschrieben, von den 87 Minuten gehen über 60 für die Waldwanderung drauf und ein bis zwei Extratwists hat mal noch zusätzlich dran geklebt. Für eine echte Überraschung oder ein konkretes übernatürliches Mysterium reicht es dann aber doch nicht. Zwar stranden unsere Helden irgendwann noch einmal an der Antragsstelle, die sich auf unheimliche Art und Weise samt der Landschaft total verwandelt hat, aber irgendwann wird das Dauergerenne, Gegreine und Holzgeknacke dann doch zum Lückenfüller, es bleibt beim offensichtlichen „Der Wald ist lebendig“ und dem daraus resultierenden Terrorkino, wobei nach zwei Dritteln des Films aus zwei Hauptfiguren nur noch eine wird.

Wer es noch nicht kennt, soll sich gern mal informieren, was man für wenig Geld kreativ so ausrichten kann – und sieht dann auch gleich, wie schwer es ist, ein gut ausbalanciertes Drehbuch dazu zu klöppeln. Richard Waters, der mehr Zeit im Schneideraum verbracht hat als auf dem Regiestuhl, hat unbestritten Talent und seine Darsteller sind gut, aber es mangelt hier noch an Feinschliff für höhere Weihen. Als kleines Independentprojekt ist „Bring out the Fear“ aber schon mal sehr ermutigend. (6,5/10)








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