Konzentriert man sich bei dem Spielfilmdebüt von Regisseur Herbert James Winterstern einzig auf den Score, wird man binnen weniger Minuten eine frappierende Ähnlichkeit mit denen eines John Williams feststellen, der seit Jahrzehnten der Haus - und Hofkomponist von Steven Spielberg ist. Um in die Fußstapfen eines derartigen Filmemachers zu treten, braucht es jedoch ein entsprechendes Budget und vor allem ein ordentliches Fingerspitzengefühl.
Williams (Daniel Diemer) Vater war eine Legende unter den Tornadojägern als dieser vor zehn Jahren im Einsatz starb. Als der Schüler die Aufzeichnungen seines Vaters von Onkel Roy (Skeet Ulrich) zugesandt bekommt, reist er kurzerhand zu ihm, um ihn bei den Sturmjagden zu begleiten. Sehr zum Leidwesen von Williams Mutter (Anne Heche), welche sich ebenfalls auf den Weg macht…
Im Kern bietet der Streifen vorwiegend Familiendrama vor dem Hintergrund einiger Unwetter. William wandelt folgerichtig auf den Spuren seines Vaters und führt einen ominösen Detektor mit sich, eine Art Schall-Alarm-Kasten, der jedoch nie genauer erklärt wird. Zwar ist meistens ein wenig Bewegung im Spiel, doch angesichts von Superstürmen weht hier dramaturgisch ein vorwiegend laues Lüftchen.
Das liegt primär an der ausbleibenden Wucht, die Genrevertreter wie „Twister“ etwa mit fliegenden Kühen einbanden. Einige Aufnahmen verdunkelter Horizonte im ländlichen Gebiet verfehlen zwar nicht ihre bedrohliche Atmosphäre, doch hier wird überraschend wenig durchgewirbelt. Zudem werden spannende Momente, wie die Schutzsuche in einer Telefonzelle zu wenig ausgereizt und auf der anderen Seite kann man nicht fette, geradezu durchschlagende Hagelkörner herabfallen lassen, die beim Aussteigen aus dem Wagen paar Sekunden danach direkt wieder verschwunden sind. Der deutlich ersichtliche Greenscreen bei Autofahrten macht ebenfalls keinen besonders guten Eindruck.
Immerhin lässt sich mit den Figuren einigermaßen arbeiten, obgleich diese weitgehend oberflächlich gezeichnet bleiben. Hier und da gibt es Konfliktpartner in Form von Alec Baldwin und ein Love Interest ist ja beinahe obligatorisch. Leider findet sich innerhalb der familiären Angelegenheiten kein Platz für Humor, wogegen einige emotionale Einschübe zumindest nicht gänzlich verpuffen. Darstellerisch vermag niemand zu glänzen, gefordert wird jedoch auch keiner, so dass Baldwin mit leichtem Hang zum Overacting besser abschneidet als die insgesamt zu hölzerne Performance von Diemer in der Hauptrolle.
An den genannten „Twister“ kommt der Stoff zu keiner Zeit heran, da es hüben wie drüben an ordentlicher Action mangelt, welche erst zum Finale etwas üppiger ausfällt. Das Mitfiebern hält sich in Grenzen und obgleich der Name Brody hier nahezu allgegenwärtig ist und der besagte Score eine starke Betonung auf versöhnliche Momente legt, - die Mischung bleibt unausgegoren und wenig mitreißend, trotz kleinerer, unsanfter Winde.
4,5 von 10