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Eine in Keramik eingeschlossene Hand eines Sehers oder so ähnlich. Das sagt die Legende, die unter den Jugendlichen kursiert und das ist dieses Artefakt, das auf Partys die Runde macht. Greift man in diese Hand während eine Kerze brennt und sagt den Filmtitel, so sieht man eine verstorbene Person. Und lässt man sie in sich hinein, ist man eine kurze Weile besessen. Sofern man die Verbindung rechtzeitig wieder unterbricht.

Und so die Regeln erklärt sind, weiß man, dass sie alsbald gebrochen werden. Im Zentrum steht dabei Mia (Sophie Wilde), die vor zwei Jahren ihre Mutter durch einen Selbstmord verloren hat. So verbringt sie viel Zeit bei ihrer Freundin Jade (Alexandra Jensen) und deren Bruder Riley (Joe Bird). Alle werden, mehr oder weniger intensiv, in das „Spiel“ mit der Geisterwelt hineingezogen. Dabei bedient sich der von Danny und Michael Philippou inszenierte Film glücklicherweise nicht den sonst im modernen Horrorkino so gern genommenen Jumpscares. Ganz ohne kommt „Talk to Me“ nicht aus, aber es bleibt sehr übersichtlich. Tatsächlich zieht der Streifen einen nicht geringen Anteil seines Gelingens aus seinem Drama-Anteil, der immer wieder mitschwingt. Mias Verlust lässt sich in viele Geschehnisse hineininterpretieren und auch das Ende (vor der letzten Szene) lädt zur Spekulation über die Intention ein. Dazu gibt es ein paar heftigere Szenen, unter denen insbesondere eine der jungen Figuren leidet, was auch graphisch nicht gerade zimperlich aussieht und von einem guten Schnitt profitiert.

Genrebedingt gibt es ein paar Löcher im logischen Aufbau, insgesamt funktioniert „Talk to Me“ hier aber. Was am vorhandenen Tempo liegt, das Skript treibt das Ensemble mitunter durchaus zügig von einem Punkt zum nächsten. Dass die Darsteller und -innen teilweise zu alt aussehen, darüber mag man hinweg sehen. Dass der Film einen nicht gerade üppig mit Hintergrundinformationen versorgt auch. Nur eine Sache will bei aller dramaturgischen Gutgläubigkeit nicht passen: dass heute noch jemand den Jamba-Frosch als Klingelton nutzt. Nicht einmal in Australien.

„Talk to Me“ ist ein oft effektiver Genrebeitrag, der sich glücklicherweise nicht zu einem Jumpscare-Festival hinreißen lässt. Hinter dem übernatürlichen Vorbau versteckt sich tatsächlich (auch) eine Geschichte über ein Trauma und dessen Verarbeitung. Nicht neu im Genre, aber hier dennoch kurzweilig inszeniert und insgesamt durchaus atmosphärisch, wenn auch nicht ganz ohne Schwächen.

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