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Bislang drehte der norwegische Regisseur Alex Herron überwiegend Musikvideos für Bands der eher düsteren Gangart. Auch sein Mystery-Thriller schlägt einige finstere Töne an, die jedoch an der Zielgruppe reiner Horrorfans unbeeindruckt vorbei ziehen dürften.

Vor zwanzig Jahren wurde Hunter (Alicia von Rittberg) als Säugling auf einem Friedhof ausgesetzt und wuchs in den USA auf. Auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern verschlägt es sie nach Norwegen, wo sie Kontakt zur Sängerin einer Black Metal Band knüpft. Weitere Nachforschungen führen sie aufs Land zu einem düsteren Familiengeheimnis…

Die Suche nach der eigenen Identität ist natürlich eine nachvollziehbare Motivation und dementsprechend ist man so einigermaßen bei Hauptfigur Hunter, welche ansonsten eher blass gezeichnet bleibt. Im Gegensatz zu den übrigen Figuren, von denen etwa die Hälfte etwas zu verbergen scheint, mal abgesehen von ihrem Adoptivvater, jenen Polizisten, der Hunter einst fand und sie behielt, wie eine von einem Baum gerettete Katze.

Im Großraum Bergen zündet zumindest die regnerische Atmosphäre und auch der Landsitz der vermeintlichen Verwandtschaft mit altem Inventar, einem halb verwilderten Garten und merkwürdigen Bildern an den Wänden vermag ein wenig Atmosphäre zu verbreiten, was dem dazugehörigen Score hingegen nur teilweise gelingt.

Nur gestaltet sich die Suche nach Vater und Mutter deutlich zu ruhig, zu unaufgeregt und mit zu wenig Nervenkitzel verbunden. Noch schlechter ist es um die Horroranteile bestellt, welche allenfalls in drei, vier Szenen innerhalb einer Vision oder eines Alptraums von Belang sind, die eigentliche Suche jedoch kaum beeinflussen. Die wenigen unheimlichen Erscheinungen sind zwar routiniert in Szene gesetzt, aber weit davon entfernt, in irgendeiner Form Gänsehaut zu erzeugen.

Während sich die Suche gemächlich fortsetzt, fallen immer mehr kleine Handlungselemente auf, die angerissen, aber nicht weiter verfolgt werden. Dabei geht es um ein verwehrtes Erbe, ein verstecktes Tagebuch, um den Insassen einer Heilanstalt und um einen Mord mit nie eindeutig identifizierter Leiche. Speziell im letzten Drittel mehren sich ein paar dieser arg konstruiert anmutenden Begebenheiten, als es immerhin zu etwas mehr Bewegung kommt und sogar Ansätze von Spannung auszumachen sind.
Dennoch wirkt die Auflösung arg hanebüchen und obgleich der Ausgang zufrieden zu stellen vermag, bleiben überraschende Wendungen eher aus und auch das Finale folgt mehrheitlich Genreklischees, anstatt unkonventionelle Wege einzuschlagen.

Was auch immer einen norwegischen Regisseur dazu bewogen hat, eine deutsche Hauptdarstellerin als Norwegerin einzusetzen, - Alicia von Rittberg performt okay, gleiches gilt für ihre Mitstreiter. Nicht ganz okay gestaltet sich derweil der Gesamteindruck des Werkes auf TV-Niveau, dessen 106 Minuten sich besonders zu Anfang arg in die Länge ziehen und auch nach hinten heraus zu wenig bieten, um mit Spannung oder gar Nervenkitzel bei der Stange zu halten.
4,5 von 10

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