Review

Robert Schwentkes filmgewordenes Theaterstück wurde kontrovers aufgenommen und in Erwägung etwaigen Kunstanspruchs zumindest bedingt wohlwollend diskutiert.

Tatsächlich erinnert das teils surreal anmutende Setting und die Implementierung moderner Artefakte im historischen Kontext an Jacopettis Interpretation von Voltaires 'Candide'. Dessen bildgewaltige, dekadente und visuell einprägsame Inszenierung kann Schwentke zwar im Ansatz nicht erreichen, muss er aber auch nicht, denn er hat einen John Malkovich vorzuweisen, der sich in unerschütterlicher Hochform knapp zwei Stunden lang durch die Kulisse monologisiert und jede andere Figur des Films in die Nichtigkeit verbannt. 

Die Idee vom filmgewordenen Theaterstück zeigt sich anfangs frisch und lebendig, die Leichtigkeit, mit der Geschichte hier interpretiert wird, ist eine schöne Abwechslung im uniformen Historienfilmgeschehen. Da stören zunächst auch die abstrakten Momente nicht, in denen Schwentke zu sehr über das Ziel hinaus schießt und verdeutlicht, dass sein Film sich gar nicht so recht entscheiden will, was genau er sein soll. Mit zunehmender Laufzeit geraten die surrealen Aspekte und die Querverweise auf unsere zeitgenössischen Belange jedoch in den Hintergrund und auch Malkovichs polarisierende Wirkung unterliegt zunehmend seinem stoischen, nicht enden wollenden Gequassel, dessen Inhaltslosigkeit parallel zur Überstrapazierung des Publikums anschwillt. Kann man hier mit einem Augenzwinkern noch einige meinungsbildende Denkanstöße aufschnappen, sorgt spätestens das in epische Breite getretene Finale für einen Triumph über die Aufgeschlossenheit des Zuschauers. Der finale Monolog mag die Quersumme von schwindender Überheblichkeit im Kontext der eigenen Vergänglichkeit abbilden, ist aber so ausufernd inszeniert, dass man als Zuschauer nur noch den Tod des Akteurs und die Abblende des Films herbeisehnen kann. 

Fazit: Der Film unterliegt wie Seneca selbst der eigenen Überheblichkeit. Aufgeblasen und selbstverliebt fängt er das Publikum ein, bevor er sich als Blender entpuppt. 

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