Am Tag seiner Hochzeit will der langjährige Sheriff Will Kane (Gary Cooper) zur Freude seiner Ehefrau Amy (Grace Kelly) sein Amt niederlegen. Doch dann wird ihm gemeldet, dass der gefährliche Verbrecher Frank Miller (Ian MacDonald) zusammen mit zwei Kumpanen in die Stadt kommen wird. Kane hatte Miller einst hinter Gitter gebracht und der will sich nun dafür rächen. Um 12 Uhr Mittags wird Millers Zug eintreffen...
Warum "High Noon" häufig als DER Western im klassischen Sinne bezeichnet wird, kann ich nicht ganz verstehen. Denn eigentlich entkräftet er alle Westernideale, die wir von den alten John Wayne Klassikern kennen. Der Held ist bei Fred Zinnemann kein unverletzlicher, strahlender Cowboy, sondern ein am Boden zerstörter Mensch, der von seinen Mitbürgern trotz jahrelanger hervorragender Arbeit im Stich gelassen wird.
Dramaturgisch gesehen ist das natürlich klasse: Da kaum Klischees auftreten, ist der Ausgang völlig unklar. Unaufhaltsam steuert der Film auf das Treffen von Gut und Böse hin, dazu noch in Echtzeit. Der Showdown selbst ist dann ebenfalls unüblich, dauert er doch nur kurze Zeit und würde es der Titelheld ohne fremde Hilfe nicht schaffen. Trotz der Kürze ist das Finale Legende und wurde oft zitiert u.a. in "Back to the Future III".
Auch wenn "12 Uhr Mittags" als Klassiker gilt (und das zurecht, da besteht kein Zweifel!), so hat er bei mir nicht den richtigen Nerv getroffen. Eher Drama als ein Western, das eben meiner Meinung nach nicht immer spannend ist, aber das Publikum Anfang der 50er aufgrund einer ganz neuen Erzählweise begeistert hat. Dank zwei Legenden in den Hauptrollen (Cooper und Kelly) und einem legendären Song (der leider viel zu oft gespielt wird und mit der Zeit zu nerven beginnt) schaffte es "High Noon" ebenfalls in die Herzen vieler Filmfans, in meines nicht ganz. Dennoch ein Klassiker, den man gesehen haben sollte.