For whom the bell tolls
Will Kane (Gary Cooper) hat im Grunde das große Los gezogen: Während seiner Amtszeit als Sheriff in Hadleyville sorgte er stets für Recht und Ordnung und hat die Stadt vom Verbrechen befreit. An seinem letzten Tag heiratet er dann auch noch Amy (Grace Kelly), mit der er seinen Lebensabend genießen will. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt - kurz bevor das Paar in die Flitterwochen aufbrechen will, erhält Kane ein Telegramm, welches besagt, dass Frank Miller (Ian McDonald) begnadigt wurde und mit dem 12 Uhr Zug in der Stadt eintreffen will, um Rache an Kane zu nehmen. Der hat ihn vor einigen Jahren hinter Schloss und Riegel gebracht, was ein echter Outlaw natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann.
Jetzt liegt es also an Kane, seinen Ruhestand noch ein wenig hinauszuzögern. Nachdem er anfänglich die Stadt verlassen will, kehrt er doch zurück und versucht Hilfe für den Kampf gegen Miller zu gewinnen, doch niemand scheint bereit zu sein, ihm zu helfen. So muss er es alleine gegen seinen Erzfeind aufnehmen.
High Noon gilt im Allgemeinen als großer Klassiker des Westerngenres. Warum dem so ist, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Natürlich weicht er etwas vom Standardschema ab und zeigt einen Helden, der durchaus verwundbar und von Selbstzweifeln ob seines Handelns geplagt ist.
Der Film wurde seinerzeit durchaus kontrovers aufgenommen, galt er beispielsweise im amerikanischen Rechten Lager als Paradebeispiel für unamerikanisches Verhalten. Nach heutigen Maßstäben völlig undenkbar, aber in der Zeit der Kommunistenparanoia unter Senator McCarthy ein gefundenes Fressen für geistig verwirrte Patrioten.
Mal von diesem Fakt und den zugegeben guten Leistungen von Gary Cooper und Grace Kelly abgesehen, watet aber auch dieser Film ausgiebig in den Klischees des Genres, als da wären:
- züchtige, verschlossenen Blondine mit Hut
- freizügige Brünette/Schwarzhaarige
- Saloonszene mit kleiner Prügelei
- spannungsarmer Showdown (zumindest nach heutigen Maßstäben)
- Klischeeureinwohner außerhalb des Saloons
- der Zug
- die Ausnüchterungszelle mit dem Betrunkenen
Alles in allem ist es sicherlich kein schlechter Genrevertreter, sticht aber auch nicht so deutlich aus der Masse heraus, als das er das Paradebeispiel für einen gelungenen Western wäre. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich nicht unbedingt ein großer Fan von Western bin und mich außer Last Man Standing, Outland (sofern man die Filme als Western zählen kann) und True Grit (wirklich positive Überraschung) noch kein Film wirklich vom Hocker reißen konnte.
So bleibt auch High Noon ein netter alter Western, der aber vielleicht mit einem Remake nach modernen Standards durchauchs auch jüngeres Publikum begeistern könnte.