Henk Rogers kommt 1988 auf einer Messe zum ersten Mal mit dem Spiel Tetris in Berührung - und es ist um ihn geschehen. Für seine Firma Bullet-Proof Software versucht er, sich die Rechte für den Vertrieb zu sichern. Doch das gestaltet sich komplizierter als gedacht und irgendwann findet er sich in der Sowjetunion wieder, irgendwo zwischen der Konkurrenz aus der Branche und dem einheimischen Geheimdienst. Denn er ist nicht der Einzige, der hinter dem Spiel her ist.
Rein inszenatorisch werden Erinnerungen an „The Social Network“ (2010) oder „Argo“ (2012) wach. Und es mag überraschen, wie Regisseur Jon S. Baird aus dem Stoff einen so unterhaltsamen Streifen gebaut hat. Das Nachzeichnen des Wegs mit Rogers als zentraler Figur und wie er den Vertriebsrechten um das kleine Spiel des Entwicklers Alexei Paschitnow nachjagt, ist unerwartet flott und humorvoll geraten. Doch spart man auch nicht an Einblicken in die Funktionsweise hinter dem Eisernen Vorhang, mögen diese auch klischeebeladen sein. Wie nah dran oder weit weg das von der Wahrheit ist, das mag für das Publikum schwer nachzuvollziehen sein, ähnlich verhält es sich im Hinblick auf die hier präsentierte Geschichte.
Rogers gab in einem Interview an, dass trotz seiner und Paschitnows Einbindung einiges hinzugedichtet wurde. In einem anderen Interview sagte Rogers „It's a movie movie“ und dass die reine Wahrheit vielleicht etwas lahmer wäre als Film. Man muss sich demnach vor Augen halten, dass das hier keine Dokumentation ist, nach Rogers aber das Gefühl vor Ort ziemlich gut eingefangen wurde.
Und rein als Film gewertet ist das mächtig unterhaltsam. Immer wieder mal finden sich Gegenüberstellungen von Kapitalismus und Kommunismus, wobei beide Systeme nicht sonderlich gut wegkommen. Und die Beziehungen zwischen den Interessensgruppen, das gegenseitige Belauern, Nachjagen und Ausstechen ist kurzweilig. Dabei merkt man aber auch, dass der Film zu Unterhaltungszwecken sehr durchkonstruiert ist. Alles passiert unmittelbar aufeinander folgend, sodass die Geschichte zwar in hohem Tempo vonstatten geht, dies aber als Erzählfluss recht künstlich wahrgenommen werden kann. Auch wirken manche Figuren überzeichnet, wobei das dem Unterhaltungsfaktor nicht abträglich ist, macht man seinen Frieden mit der Art der Inszenierung.
Der Cast ist durch die Bank stimmig gewählt. Gerade der von Taron Egerton verkörperten Hauptfigur ist der Enthusiasmus anzumerken, er vermag es immer wieder, einen mitzunehmen. Allerdings erfährt man sonst nicht viel über ihn, seine Herkunft oder seinen Werdegang. Positiv fällt auch Nikita Jefremow auf, der den Programmierer Paschitnow gibt, bis in die Nebenrollen ist „Tetris“ passend besetzt.
Passend zur Thematik bedient sich „Tetris“, auch wenn das erwartbar war, optisch mancher retro-Spielerei. Die Überleitungen in Kapitel und mancher Effekt sind in Pixelgrafik gehalten und hier und da finden sich auch entsprechende Soundeffekte. Leider ereilt auch diesen Film das Schicksal, dass er diese typische Streamer-Optik hat. Heißt: ausgewaschene, flache Farbpalette, die nie sonderlich lebendig wirkt. Dazu tragen auch die CGI bei, gerade hinsichtlich der Umgebung.
Die bekannte Melodie aus dem Spiel hat es in diversen Variationen in den Film geschafft, doch auch ansonsten orientiert sich der Soundtrack von Lorne Balfe an dem Gefühl der Ära, setzt dies jedoch mit modernen Mitteln und somit ohne den typischen 8-bit-Klang um.
Ein vermeintlich trockenes Thema, flott und äußerst unterhaltsam umgesetzt. Dabei auch noch unerwartet humorvoll, ist „Tetris“ eine ziemlich kurzweilige Angelegenheit geworden. Der Wahrheitsgehalt mag da immer wieder mal wohlwollend weggeschielt haben. Aber als Film, der grob die Geschichte eines der bekanntesten Spiele der Welt bebildert, ist er gelungen. Und ich schmeiß jetzt erst mal mein NES an.