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In einer regnerischen, stürmischen Nacht läuft die 8-jährige Miko mit ihrer Puppe im Arm allein durch den Wald, als sie merkt, daß sie verfolgt wird. Schnellen Schrittes erreicht sie zwar noch ihr Zuhause, doch der unheimliche Verfolger ist dicht hinter ihr und tötet die Kleine gnadenlos mit einem Beil.
Jahrzehnte später, in der heutigen Gegenwart, ist die Schülerin Asuka (Kanna Hashimoto) gerade am Weg zur Schule, als sie merkwürdige Dinge bemerkt: eine Katze auf einem Zaun, die gleich auf die Straße springen wird, weswegen ein Bus gleich eine Vollbremsung ausführen muß. Später im Klassenzimmer erlebt Asuka, die schon seit Jahren von ihren Mitschülern gemieden wird, bei den Vorbereitungen auf ein Klassenfest, wie das dafür gesammelte Geld zuerst verschwunden ist, dann aber unter dem Pult eines Mitschülers auftaucht. Abends erhält sie zuhause merkwürdige Text-Nachrichten auf ihrem Handy, in denen sie etwas kryptisch aufgefordert wird, die Körperteile der ermordeten Miko zu finden. Kurz danach findet sie sich mit 5 anderen Klassenkameraden in einer Kirche ein, in der ein leerer Sarg steht, in dessen Aussparung im Inneren offenbar ein Kind Platz finden soll.
Die 6 Schüler, 3 Mädel und 3 Burschen, beginnen nun, nachts in der benachbarten leeren Schule nach den dort versteckten Leichenteilen zu suchen. Tatsächlich entdecken sie schnell einen Arm in einem Aquarium, den sie kurzerhand herausholen und in den Sarg legen wollen, doch dann erscheint ein als die rote Person bezeichnetes riesiges Monster, das die fliehenden Schüler einen nachdem anderen zerquetscht und erschlägt.
In der nächsten Szene wird Asuka um Punkt 7.00 Uhr von ihrem Wecker geweckt, erlebt am Weg zu Schule wieder die Vollbremsung des Busses für die Katze, und auch das gesammelte Geld ist erneut verschwunden und taucht gleich danach wieder auf. Sie bespricht sich mit den 5 Klassenkameraden, die ebenfalls alle wieder putzmunter aufgetaucht sind, wobei alle erahnen, daß sie in einer Zeitschleife gefangen sind, sich nachts wieder auf die Suche nach weiteren fehlenden Körperteilen begeben müssen und dabei von der roten Person niedergemetzelt werden. Und tatsächlich wiederholen sich jene Ereignisse Tag für Tag, Nacht für Nacht...

Die japanische Produktion Re: member beginnt mit einer gruseligen Szene ziemlich vielversprechend und beinhaltet mit der sich schon bald konkretisierenden Schnitzeljagd nach Körperteilen auch ein zwar nicht ganz neues, dafür aber immerhin horrorlastiges Hauptthema, bremst sich dazwischen aber immer wieder durch belanglose Szenen und Dialoge aus dem typischen Teenie-Alltag aus. Die 6 Oberstufen-Schüler erhalten kaum Charakerisierung und sehen sich in ihren Schuluniformen auch noch zum Verwechseln ähnlich, so daß keine Bindung seitens des erwachsenen Publikums entstehen kann, die anvisierte jugendliche Zielgruppe sich in dem tagsüber fröhlichen Geplapper aber durchaus wiederfinden mag.

Die Auserwählten (so bezeichnen sie sich auch selbst) begreifen das Ganze als eine Art Herausforderung, suchen nach Spuren und überlegen schließlich sogar eine Strategie, sich vor dem stets unweigerlich auftauchenden Monster zu schützen.
Irritierend wirkt die völlig fehlende Angst vor dem nächtlichen Gemetzel, die Suche wirkt eher wie ein Computerspiel, bei dem die Mitspieler unendlich viele Versuche haben, da sie ja am nächsten Morgen alle wieder lebendig erwachen. Zumindest bis alle Teile gefunden werden, ein Zustand, der - bis auf den Kopf - bereits in der Mitte des Films erreicht wird. Dann verkompliziert sich der Plot unnötigerweise, denn der Kopf bleibt unauffindbar, die 6 besuchen zur Abwechslung das Haus, wo die kleine Mika seinerzeit ermordet wurde und kommen schließlich drauf, daß sie den fehlenden Kopf bisher an den falschen Orten gesucht hatten. Dazwischen immer wieder seichtes Geplänkel über Freundschaft, Einsamkeit und jugendlicher Erwartungen an das Leben, teilweise unterlegt mit aufdringlichem J-Pop. Naja...

Bezüglich des Gore-Gehalts kann Re: member immerhin teilweise überzeugen, leider finden die allnächtlichen blutigen Kills vorwiegend in der Dunkelheit statt, lassen daher wenig Details erkennen und ereignen sich noch dazu wie im Schnelldurchlauf, sodaß die computergetricksten Verstümmelungen, die die Schüler erleiden, kaum zur Geltung kommen. Das gut 3 Meter große Monster, das über enorme Körperkräfte verfügt, wirkt immerhin authentisch, wie es auf der Suche nach den fliehenden Schülern ein ums andere Mal die Schuleinrichtung demoliert. Mit welchen Mitteln die Auserwählten die rote Person zu stoppen versuchen, ist wie so manche Tötungsart (beispielsweise von einer herabstürzenden Scheibe in zwei Teile geschnitten zu werden) streckenweise als originell zu bezeichnen, mit Spannung hat das Ganze allerdings schon lange nichts mehr zu tun.

Fazit: die auf einem Online-Roman basierende Story, von der es auch eine Manga-Version gibt, weiß nicht so recht, ob sie ein Horrorfilm oder ein Jugenddrama sein will, und diese seltsame Mischung dominiert den Streifen über fast die gesamten 102 Filmminuten. Nicht Fisch, nicht Fleisch ist Re: member daher eine zwiespältige Angelegenheit und Freunden des gepflegten Schauers nur bedingt zu empfehlen: 5 Punkte.

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