Es bleibt ein immenses Risiko, eine Geschichte mit lediglich einer einzigen Person im Zentrum zu erzählen, da diese eben vorzeitig in Eindimensionalität abzurutschen droht. So ergeht es auch vorliegendem Agentenfilm, bei dem eine Asia Argento gegen ein einfältiges Drehbuch anzukämpfen versucht.
2008: Anne (Argento) hat sich aus dem Agentenleben zurückgezogen und lebt derzeit in einer Berghütte in St. Moritz in der Schweiz. Als ihr brisante Hintergründe über die anstehende US-Wahl zugespielt werden, will sie sich zunächst heraushalten, doch das Leben ihrer ehemaligen Komplizin steht auf dem Spiel…
Asia Argento und die Schweizer Berge: In Sachen Home Invasion oder Survival Thriller hätte die Chose wahrscheinlich problemlos funktioniert. Die verschneite Umgebung ist stimmungsvoll und anbei kommt der Score mit einigen virtuos arrangierten Parts um die Ecke, die locker einen Blockbuster hätten ausfüllen können. Doch leider entschied sich Regisseur Jérôme Dassier für die minimalistische Variante mit wenig Suspense und noch weniger Action.
Daraus resultiert eine One-Woman-Show, bei der die vage Figurenzeichnung der Protagonistin gegen null tendiert, da etwaige Flashbacks viel zu oberflächlich ausfallen.
Zwar wird hier und da telefoniert, aber Außenstehende geraten zu keiner Zeit in den Fokus, so dass es Anne beim Umstöpseln, sichten eines Videos, latschen im Schnee und füttern des Hundes gibt, während der Hintergrund der ebenso oberflächlichen Story etwas mit geheimen Dokumenten, übergelaufenen Agenten und einer Sicherheitsfirma zu tun hat. Irgendwer versucht die Wahl rund um Obama zu beeinflussen, doch eine greifbare Relevanz kristallisiert sich zu keiner Zeit heraus.
Erst in der letzten Viertelstunde, als es Anne kurzfristig in den Ort verschlägt und sogar einige Schüsse fallen, wird es für einige Szenen ansatzweise etwas spannend. Doch das langt natürlich nicht, die Geschichte zu drehen oder sie gar in ein neues Licht zu rücken.
Ihr mangelt es schlichtweg an Substanz und einer klaren Bedrohung für die Hauptfigur, welche scheinbar stets die Kontrolle und Übersicht zu behalten scheint.
Argento selbst hat hier wenig zu tun und wird auch körperlich kaum gefordert, mal abgesehen von einigen wenigen Momenten in Bewegung. Auch mimisch erfüllt sie den Zweck einer größtenteils emotionslos agierenden Frau, die rein rationale Entscheidungen fällen muss, was den Sympathiefaktor nicht gerade in die Höhe schnellen lässt.
Insofern bleibt der Thriller eine lahme Angelegenheit, die innerhalb der 93 Minuten Laufzeit aus mehr Leerlauf denn Spannung besteht und bei der selbst der teils atmosphärische Hintergrund nebst starkem Score nichts mehr zu reißen vermag.
3,5 von 10