Review

In einem Land vor unserer Zeit


„65“ ist im Grunde ein aufgehübschter „Videothekenfilm“ und ein seriös tuendes, beliebiges (Mid Budget-)Trash-Abenteuer. Von den „A Quiet Place“-Schreiberlingen, aber nie ansatzweise auf dem Niveau. Da merkt man einfach, dass hier weder das Können noch das Budget oder die Kreativität aus dem Krasinski-Hit gegeben sind. „65“ ist sogar dermaßen straight, plump und simpel, dass man das fast schon wieder respektieren muss. Adam Driver und ein kleines Mädchen stranden auf der Erde - vor 65 Millionen Jahren. Inklusive Dinos und gefährlicher, unbekannter Natur. Selbstredend auch noch am Tag des großen Meteoriten. In unter 90 Minuten ohne Abspann im Ziel. Da kann man eigentlich nicht meckern. Wendungen, Twists oder Wows sollte man keine erwarten. Genauso weit weg wie von „A Quiet Place“ ist „65“ zum Glück auch von sowas Artverwandtem wie „After Earth“.

4 höher wäre besser gewesen

Wie gesagt, ein Teil von mir zieht den Hut vor „65“, einem Teil von mir hat dieser Dinokampf solide Spaß gemacht. Aber der definitiv größere Teil hat die oberflächliche Steinzeitsause bereits vergessen. Und ich habe ihn erst vorgestern gesehen! Driver kann selbst in sowas nicht schlecht spielen, seine filmische Begleitung nervt als Kinderdarstellerin unterdurchschnittlich wenig. Dem Design der Dinos kann man gespalten gegenüberstehen. Einerseits wird sich mal etwas Neues getraut, anderseits wirken sie durch ihre ausgedachten Formen noch artifizieller und ungewohnter als sie es eigentlich müssten. Keine Ahnung, ob mittlerweile nur noch die „Jurassic“-Reihe echte Dinodesigns benutzen darf. Wäre schade. Die Laufzeit hält sich in Grenzen, die Längen ebenso. Überraschungen oder Kurven sollte man nicht erwarten. Hier steht der Protagonist am Ende definitiv nicht plötzlich vor einer im Sand versunkenen Freiheitsstatue. Es wird eben geballert, sich versteckt, sich erschreckt, gerannt, geschrien und - man möge mir den Spoiler verzeihen - entkommen. Rechtzeitig und unbeschadet. Gähn. War nie in Gefahr, war immer sonnenklar. Und der Weg dorthin ist eben absolute Stangenware. Nicht clever, nicht grottig. Sci-Fi-Hausmannskost. Kommt wohl etwas auf die Tagesform an, ob man hier strenger oder gnädiger in's Gericht geht. Mittelprächtig im besten Fall. 

Fazit: ein zumindest oberflächlich spannender und umwegloser Sci-Fi-Action-Abenteuerfilm, der sich ein gutes Stück anfühlt, als hätte ihn ein Computerprogramm geschrieben, dem man vorher allerlei Hits und Klischees eingepflanzt hat. Survivalstangen- und Streamingware, die es null wert war im Kino zu sehen. Aber jetzt auch keine Gurke. 

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