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Es gibt viel zu wenige Dinosaurierfilme. 

Fast scheint es so, als hätte das JURASSIC PARK Franchise die alleinigen Rechte am Dinokino. Außer Peter Jacksons KING KONG (2005) hinterließ sonst kein anderer nennenswerter Paläontologie-Blockbuster einen filmischen Fußabdruck. 

Um so bedauerlicher, dass „65“ kein besserer Film geworden ist. Der SciFi-Actioner mit dem coolen, aber marketingtechnisch problematischen Titel verschwand genauso unauffällig von den Kino-Bildflächen, wie er gekommen war, die Kritiken, die ihn nicht ignorierten, waren mäßig bis vernichtend. 

Dabei hat der Film im Kern ein enormes Potenzial: Astronaut Mills, Angehöriger einer früheren Zivilisation, muss auf der Erde notlanden – vor 65 Millionen Jahren. Gemeinsam mit der einzigen anderen Überlebenden, dem Mädchen Koa, versucht er, sich zu einer Rettungskapsel durchzuschlagen. Wortwörtlich – gegen Velociraptoren, T-Rexe und anderes Urzeitgetier. 

Die Hatz durch den Ur-Wald bietet auch wirklich B-Movie-Thrills der Extraklasse. Ein Jumpscare jagt den nächsten, die CGI-, Spannungs- und Actionszenen sind kompetent inszeniert, der T-Rex bekommt ein Intro, das eines Steven Spielberg würdig ist (leider wurde die Szene bereits im Trailer verbraten). Man merkt, dass das Team zuvor u. a. die A QUIET PLACE Filme verantwortete, einige Szenen sind recht ähnlich aufgebaut und natürlich werden auch Spielbergs Klassiker „zitiert“. Mit nur 28 Minuten ist 65 zudem dankbar kompakter Film. 

Wo liegt also das Problem? Nun, der Film ist leider recht dumm und hält auch sein Publikum nicht für besonders intelligent. So erklären uns Texttafeln zu Beginn, was hier gerade genau passiert ist und die Tragweite des Geschehens wird uns durch überdeutliche Computerdurchsagen eingetrichtert („catastrophic asteroid detected“). Das wäre alles ebenso unnötig gewesen wie die kitschige Backstory, denn natürlich hat Mills eine schwerkranke Tochter zu Hause, was seinen Beschützerinstinkt gegenüber der etwa gleich alten Koa natürlich durch die Decke gehen lässt. 

Würde man alle diese disneyfamilyhaften Szenen entfernen, man hätte einen wunderbar adrenalintreibenden Dino-Thriller mit SciFi-Einschlag. Auch wenn der dann womöglich nur noch 65 Minuten läuft. Trotzdem: Auch so ist 65 immer noch sehenswerter als die ganze aufgeblasene JURASSIC WORLD Filmreihe.

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