iHaveCNit: 20.000 Arten von Bienen (2023) – Estibaliz Urresola Solaguren – DCM
Deutscher Kinostart: 29.06.2023
gesehen am 29.06.2023
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 3, Platz 9 – 20:30 Uhr
Filme über die transidentäre Selbstfindung von Kindern und auch dem Weg des Umfelds des Kindes hin zu Toleranz, Akzeptanz und Liebe sind durchaus ein schöner, zeitgemäßer Stoff. Gerade im letzten Dezember gab es im deutschen Raum den Film „Oskars Kleid“, der sich dem Thema angenommen hat und eher mehr die Perspektive des Umfelds bzw. des Vaters eingenommen hat und filmisch eher mehr Manierismen einer typisch deutschen, überdrehten Komödie mitgebracht hat. Der Film der spanischen Regisseurin Estibaliz Urresola Solaguren mit dem Namen „20.000 Arten von Bienen“, der bei der letzten Berlinale einen Erfolg feiern konnte, mag zwar Ähnlichkeiten zu „Oskars Kleid“ aufweisen, aber ist in seiner Umsetzung und seiner Perspektive ein wesentlich anderer Film geworden.
Gemeinsam mit ihrer Mutter und den beiden älteren Geschwistern fährt Coco in den Sommerurlaub im Baskenland, doch weder mit dem Spitznamen Coco als auch dem Geburtsnamen Aitor ist das Kind zufrieden, so dass sie sich in diesem Urlaub einigen vertrauten Personen anvertraut, zu sich selbst finden möchte und auch die Akzeptanz und die Liebe ihrer Mutter für diese Entscheidung sucht.
„20.000 Arten von Bienen“ ist ein sehr ruhiger, stiller und behutsamer Film, der sich für eine Vielzahl alltäglicher Banalitäten Zeit nimmt und damit sehr bodenständig und lebensnah, fast schon dokumentarisch anmutet und rüberkommt. Den größten Teil der Zeit sind wir ganz nah an der von der 10 Jahre alten Sofia Otero großartig mit viel Feingefühl gespielten „Coco“ bzw. Aitor und wir erleben den Film auch quasi aus ihrer Perspektive. Für diejenigen, die sich zum Beispiel bei „Oskars Kleid“ wesentlich mehr von Lauris Lilli gewünscht haben, für die ist „20.000 Arten von Bienen“ so etwas wie eine kleine Genugtuung. Natürlich mag im Rahmen transidentärer Selbstfindung der Begriff des „Deadnaming“ - Ansprechen einer Transperson mit dem vorherigen, nicht mehr genutzten Namen problematisch und gar je nach Gefühlslage der betroffenen Person transfeindlich gewertet werden, jedoch muss ich sagen, dass filmisch gesehen das „Deadnaming“ unabhängig wie schmerzhaft das für die betroffene Person sein mag, genau ein Mittel für das Schaffen von Toleranz, und Akzeptanz ist – natürlich auch erzählerisch, symbolisch und stilistisch. Insgesamt hat mir „20.000 Arten von Bienen“ sehr gefallen.
„20.000 Arten von Bienen“ - My First Look – 8/10 Punkte