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Zuweilen wundert man sich über völlig verfremdete Aufmachungen mancher Mimen, die in ihrer Rolle kaum wieder zu erkennen sind und fragt sich unweigerlich, ob man sie nicht direkt anderweitig hätte besetzen können. Im vorliegenden Fall ganz klar nicht, denn ein erprobter Billy Bob Thornton schafft es als Bösewicht, immer nah an der Grenze zur Karikatur zu performen.

North Carolina, Jackson County: In diesem arg ländlichen Teil der Appalachen hat Charlie (Thornton) als Meth Dealer die Zügel in der Hand. Entsprechend fordert er Loyalität von seinem Sohn Jacob (Hopper Penn) ein, der sich eigentlich vom Familienunternehmen lösen und mit seiner Freundin (Katelyn Nacon), der Tochter eines schmierigen Politikers absetzen will…

Wie so häufig bei einem Thriller steigt Regisseur Ben Young mit einem Zeitsprung ein, indem er eine Szene des späteren Verlaufs aufgreift, um danach die Entstehung der relevanten Situation zu schildern. Entsprechend steht Jacob mit einem Gewehr im Anschlag auf einer Landstraße und wartet augenscheinlich auf ein bestimmtes Fahrzeug. Bis es zu jenen Moment kommt, benötigt der Vorlauf allerdings eine gute Stunde, in der sich das Treiben mehr wie ein Drama denn Thriller abspielt.

Im Vordergrund steht die problematische Vater/Sohn Beziehung, welche eine triste Grundstimmung verbreitet. Hoffnungslosigkeit spiegelt die komplette Region wider, was sich primär an Jacobs Mutter (Robin Wright) manifestiert, die von Charlie getrennt lebt und immer mal wieder den Drogen verfällt. Dass keinem Cop zu trauen ist, wird ebenso schnell klar wie die eher sensible Ader Jacobs, der ständig mit den Methoden seines Dads hadert, sich jedoch immer wieder einschüchtern lässt.

Viel ereignet sich nicht in den ersten beiden Dritteln, die mehr auf Atmosphäre setzen, anstatt der Handlung den einen oder anderen Schups in Richtung Spannung zu verpassen.
Erst gegen Finale überschlagen sich die Ereignisse, was mit einigen konstruierten Begebenheiten, jedoch auch mit ein paar kleinen Überraschungen einhergeht.

Das rettet den Streifen jedoch nicht aus seiner Mittelmäßigkeit, bei der sich allenfalls der Score und die grundsoliden Performances positiv hervorheben. Thornton ist klar in seinem Element und mit Glatze und pechschwarzem Bart ein durchaus charismatischer Bösewicht. Penn (der Sohn von Sean Penn und Robin Wright, die hier seine Mutter spielt) muss demgegenüber ein wenig zulegen, da er kaum von einem verängstigten Gesichtsausdruck abweicht, was im Zusammenspiel mit der Liaison etwas unglaubwürdig anmutet.

Trotz kleiner Wendungen zum Showdown erzählt der Stoff nicht viel Innovatives, noch geht er in emotionalen Tiefen oder erzeugt mitreißende Spannung. Bis zum temporeichen Endspurt lässt sich die Erzählung zuviel Zeit und dürfte aufgrund ihrer fast meditativen Form und der tristen Grundstimmung einige Genrefans eher langweilen.
5 von 10

 

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