iHaveCNit: Das Lehrerzimmer (2023) – Ilker Catak – Alamode Film
Deutscher Kinostart: 04.05.2023
gesehen am 19.04.2023 Spotlight-Sneak
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr
Am 24.3. kamen die Nominierungen für den deutschen Filmpreis 2023 heraus und dabei ist mir neben einem sicherlich großen Favoriten „Im Westen nichts Neues“ auch ein gewisser Film mit dem Namen „Das Lehrerzimmer“ ins Auge gesprungen, den bis dahin einzigen Film aus dem Bereich der Nominierten, den ich bis dahin noch nicht gesehen habe, wie denn auch, mit einem noch folgenden Kinostart ! Umso mehr freut es mich, dass ich den Film dann in einer Sneak bereits vorab sehen konnte und mit 3 interessanten deutschen Produktionen in Folge, die ich entsprechend Montag, Dienstag und Mittwoch sehen konnte - „Roter Himmel“ , „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ und nun „Das Lehrerzimmer“ - zeigt mir genau das, dass das deutsche Kino vielseitige und gute Filme liefert. „Das Lehrerzimmer“ passt da perfekt rein.
Mit idealistischen und optimistischen Wertevorstellungen tritt die junge Lehrerin Carla Nowak ihre neue Stelle an einer neuen Schule an. Als es an der Schule zu eine Serie von Diebstählen kommt, wird ihr erstmals die Härte und Ungerechtigkeit der an der Schule herrschenden „Null-Toleranz-Politik“ bewusst. Aufgrund ihrer eigenen Wertevorstellungen wird sie Entscheidungen treffen, die je mehr sie versucht gegen das System in der Schule anzukämpfen selbst Teil dieses Systems wird.
„Das Lehrerzimmer“ ist ein Film der einen enttäuschen könnte, wenn man mit der falschen Erwartungshaltung an den Film herangeht. Wenn man mit der Erwartungshaltung und dem Anspruch an den Film geht, dass dieser die gesellschaftlichen Probleme im Mikrokosmos Schule mit sowohl einer notwendigen Tiefe behandelt als auch klare, direkte Lösungen dafür anbietet, dann wird einen der Film enttäuschen, weil er relativ offen endet und eher mehr zum offenen Diskurs anregt und einlädt. Auch macht er es sich doch sehr einfach, wenn es um die Verantwortlichkeit entsprechender Problematiken geht. Doch mit einer anderen Erwartungshaltung wird man vom Film begeistert sein – wenn man eine Charakterstudie über eine junge Lehrerin sehen möchte, die von dem System Schule so eingenommen wird, dass je mehr sie gegen strukturelle Machtverhältnisse sowohl innerhalb des Lehrerkollegiums als auch der Schüler, Klassen- als auch Elternverbände ankämpft umso mehr Teil des Systems wird und sogar eigene Wertevorstellungen gebrochen werden, womit sich die von Leonie Benesch großartig gespielte Clara Nowak in einem Kampf gegen eine Abwärtsspirale befindet, aus dem es kein Entkommen geben kann. Selbst wenn wir uns zum großen Teil nur in der Schule befinden wird diese auf geniale audiovisuelle Art und Weise inszeniert. Dass sich auch entsprechend dem modernen Zeitgeist Themen wie Rassismus, Klassismus und die Rolle der Presse am Beispiel einer Schülerzeitung sowie genderneutrale Erziehung im Film befinden, macht „Das Lehrerzimmer“ zu einem sehr interessanten Werk.
„Das Lehrerzimmer“ - My First Look – 8/10 Punkte.