Review

Kann ein Film von Anfang bis Ende unangenehm sein? Ja, er kann und "Das Lehrerzimmer" will das auch. Die Protagonistin ist ein klassischer Fall einer aufrichtigen Antiheldin, die stets das Beste will, aber mittels ihrer Kommunikation oft genau das Gegenteil erzeugt. Jene Außenwirkung ist nicht unbedingt als falsch zu bewerten, bewegt aber nicht selten empfindliche Hebel. Und Personen, die Wind erzeugen, bekommen schnell Gegenwind, zumindest wenn sie nicht ganz oben in einer Hierarchie stehen. Aus einer mittelgroßen Mücke wird hier ein riesiger Elefant, eine Dynamik, welcher möglicherweise einige in anderer Form schon mal selbst erfahren mussten, und hier eine fesselnde Mitfühl-Situation inszeniert bekommen.
Ich war positiv überrascht, hege ich doch tendenziell Vorurteile gegen deutsche Filme. Vor allen die Hauptdarstellerin ist erwähnenswert, sie trägt den Film, kämpft sich eindrucksvoll durch die Facetten des Konfliktes, verkörpert sichtbar dessen immer einschlägigere Spuren.
Die dargestellte Schule ist vermutlich nach dem fleißigen Wirken der letzten 8 Jahre mittlerweile ein Fantasieprodukt, oder zumindest eine Ausnahme. Hier geht es zwar nicht um das generelle Problem in der deutschen Bildungsrealität, sondern ein abseitiges, bzw. eine spezielle Geschichte. Aber genug geunkt, ich sprach schließlich von einer positiven Überraschung. Neben der guten Leistung von Leonie Benesch ist das vor allem die Dramaturgie von Ilker Çatak. Ein stimmstarkes Vögelchen kann halt auch in einem Käfig, wenn sonst alles passt, noch gut singen.

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