iHaveCNit: Passages (2023) – Ira Sachs – Mubi / Studiocanal
Deutscher Kinostart: 31.08.2023
gesehen am 23.08.2023 in der Spotlight-Sneak in OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr
gesehen am 03.09.2023 in OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie - Parkett – Reihe 4, Platz 9 – 20:45 Uhr
Der Kinomonat August 2023 ist durchaus auch ein Monat der Extreme, wenn man sich vor allem das Thema von beziehungstechnischen Dreierkonstellationen ansieht. Während Celine Songs „Past Lives“ hier eher die positive Route eingeschlagen hat, geht Ira Sachs „Passages“ in eine komplett andere Richtung und ist damit an dieser Stelle ein Film, der damit wesentlich mehr Risiken eingeht, weil er damit nicht so leicht verträglich wirkt.
Der Filmemacher Tomas ist gerade mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Film fertig geworden. Bei einer Party hat er eigentlich vor, ausgelassen mit seinem Mann, dem Künstler Martin zu feiern und zu tanzen, doch Martin ist dem Ganzen eher abgeneigt, so dass Tomas dort auf Agathe trifft, mit der er tanzt und auch die Nacht verbringt. Aus dieser Begegnung entfaltet sich eine Affäre und der egozentrische, selbstsüchtige Tomas merkt nicht, dass er damit alle Beteiligten in einen Abgrund zieht.
Nach dem Trailer zu „Passages“, der mit einer doch recht dynamischen Musik und dynamischen Schnitten unterlegt war, hatte ich eigentlich eine ähnliche Dynamik im Film erwartet, doch es kam etwas anders. Der Film ist eher sehr bodenständig, nüchtern und ruhig erzählt und lässt seinem großartig aufspielenden Trio aus Franz Rogowski, Ben Wishaw und Adele Exarchopoulos den notwendigen Raum, das Optimale aus ihren Charakteren herauszuholen. Ohne großartige Form der emotionalisierenden Manipulation durch filmische Stilmittel ist es hier einzig und allein das Wesen des sehr egozentrischen, getriebenen, durchaus ambivalent sympathischen oder auch unsympathischen, von Franz Rogowski gespielten Tomas, der bewusst auch weiß, wie er die Menschen um ihn herum in den Bann ziehen kann oder auch nicht. Man entwickelt eine gewisse, auch ambivalente Faszination für seinen Charakter, selbst wenn man ihn als anstrengend und absolut unsympathisch empfinden wird. Es ist auch recht erstaunlich, mit welch expliziten Sexszenen der Film hier um die Ecke kommt, die auch in gewisser Art und Weise absolut nicht voyeuristisch oder pornografisch sind, sondern mehr charakteristisch und zur Ästhetik des Films passen. Insgesamt hat mir der Film gefallen, auch wenn mir dann doch eine Spur der eingangs erwähnten Dynamik, Rasanz und Sogwirkung gefehlt hat.
„Passages“ - My Second Look – 9/10 Punkte.