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Da ist er also, Manta Manta 2, oder Zwoter Teil... Ich frage mich wie unverfroren man sein muss, um diesem filmischen Erguss einen derartigen Titel zu verpassen. Und wie müssen sich erst die Manta Fans im Essener Autokino vorgekommen sein, die mit ihren liebevoll erhaltenen Mantas vorgefahren sind, um dann mit dieser bitteren Realität konfrontiert zu werden?! Ganz hart muss es diejenigen getroffen haben, die sich das Double Feature anschauten. Denn dieser Film hat weder etwas mit Manta Manta zu tun und nur ganz am Rande mit Autos. Das Thema Auto ist in diesem Film höchstens Fassade, um eine typische Til Schweiger Komödie auf die Leinwand zu bringen. Das erste "Rennen" am Anfang ist übrigens nicht, wie in Teil 1, GTI gegen Manta, sondern GTI gegen Fahrrad!


Stolze 127 Minuten wird der Zuschauer gequält. Im Kino fühlte es sich aber nach mindestens 160 Minuten an. Was die eigentlich Story angeht, die jedoch wenig an Beachtung findet: Bertie Katzbach (Der Nachname wird so oft im Film erwähnt, dass es fast schon peinlich ist) hat eine kleine Oldtimer Werkstatt, Schulden und die letzte Gelegenheit schnell an Kohle zu kommen, ist das Classics Rennen am Bilster Berg, das mit 150000 Euro dotiert ist. Da Berties Sohn (Name vergessen) den Opel Calibra, der für das Rennen gedacht war, klaut und zu Schrott fährt, weil die Bremsen versagen, kommt plötzlich Uschi mit Berties altem Manta um die Ecke, der gleich am nächsten Tag! für das Rennen eingesetzt werden soll. Mehr möchte ich zu dieser Story nicht sagen. Sie ist strunzdumm, an den Haaren herbeigezogen und hat so viele Logiklücken, dass ich tatsächlich die Hände überm Kopf zusammengeschlagen habe. 

Zugegeben, die Story im ersten Film ist beinahe ebenso hanebüchen, aber sie war größtenteils geradlinig, ohne viel drumherum.  Es waren die Charaktere, die Autos, die Musik und die Inszenierung, die Manta Manta ausmachten. Manta Manta 2 ist überfrachtet mit zwischenmenschlichen Handlungssträngen, so dass das eigentliche Thema permanent in den Hintergrund gerät. Zumindest das Intro des zweiten Teils hat den Nostalgie-Faktor, mehr leider nicht! 

Was ist also die Qualität von Manta Manta - Zwoter Teil? Sind es die Charaktere? Leider nein. Til Schweiger spielt nicht Bertie, sondern denselben Charakter wie in all seinen Filmen seit etwa 2005. Michael Kessler als Klausi spielt den absoluten Volltrottel, der er niemals gewesen ist (Teil 1: Wie, hast du mich jetzt die ganze Zeit nur verarscht oder was?; Teil 2: Ich hab Fahrrad fahren verlernt). Tina Ruland als Uschi spielt zwar sympathisch, ist aber im Film nur eine Randnotiz. Dann hätten wir da noch den ein oder anderen Gastauftritt. Martin Armknecht als Axel will sich bei Bertie einen Wagen für's Rennen leihen. Klingt logisch, oder? Kleiner Lichtblick, Moritz Bleibtreu spielt Gunnar, den unsympathischen Ehemann von Uschi. Absoluter Tiefpunkt, Jean Pierre Krämer, spielt sich selbst. Auch wenn er nur für etwa eine Minute zu sehen ist, sein schauspielerisches Nichtkönnen hat er eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nennen wir es eine Art Freundschaftsdienst. Schließlich hat JP Krämer auf seinem sehr erfolgreichen YouTube Kanal in aller Öffentlichkeit Axel Stein um eine Rolle im Film gebeten. 

Kann der Film technisch überzeugen? Nun ja, ein paar Szenen sind handwerklich gut gemacht. Die Unfälle im Rennen machen optisch was her, sind jedoch insofern unrealistisch, als dass kaum ein Mensch danach so schadenfrei aus seinem Auto steigen würde. Ist jedoch nicht weiter dramatisch, da das Rennen an sich völlig konstruiert wirkt. Es gab im gesamten Film zwei Kameraeinstellungen, die mich an den ersten Teil erinnern (Tacho, Gaspedal). Ansonsten fehlt wirklich alles. Da kommt der gelbe Bertie Manta in die Werkstatt gerollt und anstatt, dass man hier im Detail den Sound präsentiert, ein bisschen mit dem Gas spielt und in Nahaufnahme den Drehzahlmesser zeigt, ist der Manta schon wieder aus dem Bild. Immerhin, der Klang des Opel Calibra kam gut im Kino rüber. Ich frage mich, warum man das nicht öfter im Film untergebracht hat. Dafür ist man doch ins Kino gegangen. 

Dilettantisch wiederum einige Schnitt- und Vertonungsfehler, die so offensichtlich sind, dass man nicht glauben mag, es wäre den Verantwortlichen nicht aufgefallen. Klar, der erste Film hatte auch seine technischen Schwächen, z.B. wenn die Tachonadel unrealistisch nach oben schnellt, aber das was hier teilweise geboten wird, ist wirklich verwirrend und das weniger in Fahrsequenzen, die eh kaum vorhanden sind, sondern viel mehr in Dialogen. Da wird so hektisch hin und her geschnitten, dass wohl selbst der Tonmeister nicht mehr hinterherkam. 

Was wäre denn, hätte dieser Film einen anderen Titel? Den Namen Kokowääh 3 las ich bislang. Dann wäre es die typische Schweiger Komödie, die aber auch nicht zünden mag, da die Gags total altbacken wirken und nicht in das Jahr 2023 passen. Schweiger sagte selbst, dass er Manta Manta 2 bereits im Jahr 2009 drehen wollte, aus Lizenzrechtlichen Gründen aber nicht durfte. Und genau da ist dieser Film auch angesiedelt, zwischen Zweiohrküken (2009) und Kokowääh (2011). Man könnte fast meinen, dass das Drehbuch zu dieser Zeit entstanden ist und nur minimal angepasst wurde. 

Fazit: Für Fans des ersten Teils eine Zumutung und eine Frechheit. Til Schweiger scheint nicht verstanden zu haben, warum der erste Teil Kult ist. Vielleicht hat es ihn auch einfach nicht interessiert, oder aber er kann es nicht besser. Aufgrund der veröffentlichten Trailer waren meine Erwartungen an Manta Manta 2 bereits gering. Til Schweiger hat es geschafft, das noch deutlich zu unterbieten. Punkte 2/10. Einen für das Intro und einen für den Klang des Calibras. 

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