Als das Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ entstand, steckte die Gehirnforschung noch nicht einmal in den Kinderschuhen. Denn sonst hätte man dem Helden stecken können, dass möglicherweise eine Störung der Amygdala vorliegt, jenen Teil des Gehirns, der für die Analyse von Gefahren verantwortlich und folgerichtig für das Empfinden von Angst zuständig ist. Im Umkehrschluss sollte man jedoch nicht auf den krummen Gedanken kommen, diesen Teil des Gehirns mit einer Nagelpistole zu malträtieren, wie im vorliegenden Gangsterfilm.
Marseille: Elon ist der Sohn des Mafiabosses Sauveur und leidet an einer bipolaren Störung. Während seiner Feuertaufe, als die Gang die albanische Konkurrenz auszuschalten versucht, gerät Elon in Panik und wird nur knapp von Vaters Schergen gerettet. Und die Gegenseite zögert nicht lange, ihrerseits eine blutige Racheaktion anzuzetteln…
Der mit geringem Budget umgesetzte Independentfilm macht einem den Zugang in den ersten Einstellungen nicht leicht, da es zunächst an einem Kontext mangelt, während Rückblenden in Schwarzweiß zusätzlich Verwirrung stiften. Erst nach und nach stellt sich heraus, wer für den Mafiaboss in welcher Position arbeitet und wer während einer Tauffeier ein eher weniger gern gesehener Gast ist. Zuweilen entsteht sogar ein leichtes Schmunzeln, wenn die Untergebenen in Form eines Serben und eines Taubstummen wichtige Informationen zu vermitteln suchen, was der Boss in beiden Fällen jedoch nicht versteht.
Ansonsten ist es mit dem Humor und dazugehörigen Auflockerungen weniger gut bestellt, da es im Kern um die Auseinandersetzungen mit der Konkurrenz geht, während anbei ein paar interne Machtkämpfe bestritten werden. Zwar erhält Elon eine Sonderposition, doch ein Zugang zu ihm ist fast genauso wenig gegeben wie zu den übrigen Figuren, welche durch die Bank unsympathisch erscheinen. Oder sie sind völlig drüber gezeichnet wie ein albanischer Alleingänger, dem augenscheinlich mal das halbe Gesicht nebst Auge abhanden gekommen ist.
Was die Chose noch halbwegs am Laufen hält, sind diverse Schusswechsel. Ziemlich doof gestalten sich allerdings jene Szenen, in denen Kontrahenten schießend und ohne Deckung aufeinander zugehen, was ja zwangsläufig mit mindestens einem Toten einhergeht. Auch eine Form von furchtlos. Diverse Einschüsse sind einigermaßen blutig in Szene gesetzt, es geht allerlei Inventar zu Bruch, wogegen die Explosion eines Fahrzeugs per CGI alles andere als glaubwürdig umgesetzt wurde.
Da sich die Szene mit der Nagelpistole innerhalb der ersten Minuten ereignet, um danach einige Tage zurückzuspringen, kommt es im Verlauf kaum zu nennenswerten Überraschungen und auch das Finale läuft weitgehend erahnbar ab.
Das einigermaßen flotte Tempo und die treffend besetzten und tauglich performenden Mimen sind auf der Habenseite zu verbuchen, der Rest ist binnen kurzer Zeit aufgrund zu einfältiger Geschichte und ausbleibender Hochspannung abgehakt und vergessen.
5 von 10