Es ist schon eine beachtliche Erfolgsgeschichte des Franzosen François Descraques, der 2009 seine spätere Webserie mit einem kurzen Clip auf einem Videokanal startete. Bis 2014 entstanden 52 Folgen einer Zeitreise-Idee und ein paar Jahre später stehen dem Mann annähernd fünf Millionen Budget zur Verfügung, um eine Fortsetzung in Form eines ersten Spielfilms zu drehen.
Ein Zeitreisender kommt aus der Zukunft, um den Unternehmer Gilbert davon abzuhalten, den Vertrag für den Bau eines Atomkraftwerks zu unterzeichnen. Da der Reisende jedoch von Zeitwächtern verfolgt wird, verschlägt es ihn, Gilbert und dessen Tochter Alice ins Jahr 2555, wo sie das volle Ausmaß der Atomkatastrophe vor Augen haben…
Glücklicherweise nimmt sich der Stoff nicht übermäßig ernst, was bereits die Exposition veranschaulicht. Alarm im Atomkraftwerk. Zwei Honks müssen sich entscheiden, ob der blaue oder der gelbe Knopf die Katastrophe vereiteln könnte, während der Zeitreisende erscheint, um die Entscheidung zu erleichtern, was nicht ohne Turbulenzen abläuft.
Descraques setzt auf schnelle Abhandlungen, vergisst dabei jedoch nicht die Unterbringung ökologischer Themen, indem sich etwa Alice aktiv gegen die Absichten ihres Vaters stellt, wodurch einmal mehr ein Generationskonflikt im Raum steht. Dies geschieht allerdings ohne den moralinsauren Finger, denn letztlich lässt der Filmemacher überraschend gelungene Bilder sprechen, die den Supergau bebildern. Die dystopisch anmutenden Sets sind durchweg gelungen („Hier sieht es ja furchtbar aus, - ich vermute Belgien“), Kleidung und Requisiten sind treffsicher auf Endzeitstimmung getrimmt und der Rotz einiger Kaschemmen mitsamt seiner schrägen Gäste lädt nicht gerade zum längeren Verweilen ein.
Aufgrund der Zeitreise-Agenten im Nacken ist stets ein ordentliches Tempo gegeben und da ein Materialisieren zum Standard zählt, wird dieses Gimmick gerne und häufig genutzt. Die ganz große Action bleibt zwar aus und einige Zweikämpfe bringen zumindest eine passable Dynamik mit, doch mit der Zeit entwickeln die Figuren eine sympathische Präsenz, die nicht nur über einige Paradoxien in Sachen Zeitreise hinwegsehen lässt. Zumal diese spätestens auffallen, wenn sich zwei identische Personen verschiedenen Alters miteinander unterhalten, was im Verlauf jedoch komplett ad absurdum geführt wird.
Zwischenzeitlich gestaltet sich das Abenteuer recht amüsant, es gibt regelmäßig teils drollige Situationskomik und obgleich die Figurenzeichnungen nicht sonderlich tiefgründig ausfallen, leisten sämtliche Mimen ordentliche Arbeit, was bei einigen mit sichtlicher Spielfreude einhergeht. Ein gutgelaunter Trip, der trotz einiger ernster Themen über die Laufzeit von 101 Minuten durchaus Freude bereitet.
Knapp
7 von 10