Melancholie trifft auf Material Arts: Düster!
Bereits auf vier Kapitel lässt Keanu Reeves aka John Wick zurückblicken. Ende in Aussicht? Man weiss es nicht; Pläne zu Nummer 5 stehen, Reeves braucht eine altersgemässe Pause von seiner Figur. Immerhin auch schon stolze 59 Lenzen und noch so in Fahrt, verständlich! Verantwortlich für die Action-Chose zeigt sich wieder einmal Chad Stahelski, der die Reihe praktisch erfand und Regie seit Beginn an führte. Als ehemaliger Stuntman und Martial Arts Kämpfer mehrerer Kampfsportarten, ist die John Wick-Reihe wie geschaffen für einen Mann seines Formats.
John Wick hat den letzten Mordanschlag überlebt und wurde vom Bowery King gerettet und regeneriert, bereit für Rache an den Übeltätern seines Ablebens. Nachdem er in der Wüste den Ältesten erschiesst, hat er ein ganzes Killerkomitee auf dem Hals. Nichts neues für Wick, diesmal verhält sich aber die Hetzjagd anders: Die Hohe Kammer, das höchste Tribunal der Killerwelt sendet den übereifrigen und herrschsüchtigen Marquis de Gramont, quasi einen Stellvertreter der Kammer aus, um Wick zu stellen. Dieser benutzt Wicks ehemaligen Weggefährten Caine mittels Erpressung durch das Schicksal seiner Tochter, um eben John Wick zu elimenieren. Gehetzt durch die ganze Welt, versucht der ehemalige Killer Wick seinen Feinden Paroli zu bieten, mit allen Mitteln, mit allen Waffen.
Nahtlos knüpft Stahelski an den Vorgänger Kapitel 3 an und spinnt die Story um den gefallenen Elitekiller weiter. Wie gewohnt, in düsteren, fast schon melancholischen Bildern gefangen, metzelt sich der Solokämpfer quer durch Stadt und Gebäude. Immer untermalt in dumpfen Synthesizer-und Rockklängen, ästhetischen Bildern, die wechseln zwischen klassischer 2D Ansicht, 3D Virtuosing und kreativer Vogelpespektive, die Blick in alle angrenzenden Räume gewährleistet, toben die oft minutenlang gehaltenen virtuosen Dauerballerorgien mit Unmengen an toten, geschundenen Körpern (Wick macht keine Gefangenen).
Natürlich wie so gewohnt aus dieser Serie, wird der Bogen der Unversehrtheit des Protagonisten weit überdehnt und so werden Schläge, Stürze usw. von Wicks Leib kaum wahrgenommen, im Gegensatz der seiner Feinde umso mehr. CGI Blut spritzt in alle Richtungen, es wird gefightet, geschossen, explodiert und in Flammen gesetzt, was das Arsenal hergibt. Auf die dünngespannte Story sollte man wenig geben, John Wick ist Futter für die Augen und die verwöhnten Ohren. Ein materialistisches Dauerfeuer von knapp drei Stunden,die man gerne verzeiht, zumal diese unbemerkt wie im Fluge vergehen, auch wenn "John Wick" mehr an Baller- Videogame erinnert und nicht nur Vibes solcher versprüht.
Absolutes Highlight des vierten Ablegers ist Scott Adkins als fettleibiger Killa Harkan in Berlin. Nicht zu erkennen, aber wuchtig kitschig overacted und beweglich in dieser Montur. Einfach köstlich. Nicht zuletzt unerwähnt sollte Bill Skarsgard bleiben, der den Marquise mimt. Keiner transportiert Überheblichkeit und wahrliche Boshaftigkeit so wie er. Das macht Lust und Laune auf mehr.
Actiongeladenes Testosteronkino für Augen und Ohrenmasochisten in Endlostakt. Wendungsreich, laut und blutig; eine Wucht von Actionmelancholiekreuzung.
Ist die FSK:18 Freigabe gerechtfertigt? Klarer Fall von Ja! Wie bereits die Vorgänger, sehr brutal, sehr blutig; ein Film wie ein Berg (voller Leichen), der schon an Splattergemetzel angrenzt.