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Satte 16 Jahre benötigte das Regieduo Greg Swinson und Ryan Thiessen, um nach ihrem katastrophalen Debüt „Five Across the Eyes“ doch noch mal einen Film nachzuliefern. Spielte sich ihr Einstieg seinerzeit ausschließlich in einem Van ab, gefilmt von einer unsäglichen Wackelkamera, verlegt man die hiesige Hatz in eine Fabrik, was den eigentlichen Reiz des Horror-Thrillers ausmacht.

Es ist die allererste Nachtschicht für die allein erziehende Mutter Karen (Natalie Terrazzino), die in der Holzverarbeitungsfabrik als Reinigungskraft und Hausmeisterin tätig ist. Doch mitten in ihrer Schicht dringen vier maskierte Gestalten ein und trachten der jungen Frau nach dem Leben…

Der Schauplatz ist das eigentliche Highlight des Terrorstreifens, denn gedreht wurde nicht etwa an Filmsets, sondern in einer echten Fabrik, weshalb sich die Dreharbeiten über sieben Monate hinzogen, da man ausschließlich am Wochenende drehen konnte. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn das Setting mit Fabrikhalle, rund einem Dutzend Maschinen, diversen Lagerräumen, Toiletten und kleinem Büro könnte authentischer kaum ausfallen.

Nach rund 20 Minuten Vorlauf nimmt die Angelegenheit Fahrt auf und liefert einerseits ein beinahe latent flottes Tempo, während die Räumlichkeiten mithilfe der versierten Kamera gut genutzt werden, um ein ausladendes Katz- und Mausspiel zu veranstalten. Zudem treibt der Score auf Synthie-Basis gut an und erinnert ein wenig an die Anfänge eines John Carpenter.

Zwar fallen die Figurenzeichnungen eher vage aus, - bei den maskierten Angreifern werden kaum die Namen erwähnt, doch ein paar Vorzeichen vor Antritt der eigentlichen Schicht deuten früh auf ein Motiv der Eindringlinge hin, welches sich gegen Finale in vollem Umfang bestätigt. Karen ist allerdings einfallsreich genug, um ihren teils tumb handelnden Angreifern Paroli zu bieten.

Dabei wirken einige Fallen etwas zu oberflächlich entwickelt, um derartige Reaktionen auszulösen und in mancher Phase fällt schon auf, dass die Suchenden lange Zeit weit genug weg sind, um in Ruhe Wunden verarzten zu können, welche im Verlauf einiger Konfrontationen unweigerlich entstehen.
Ein Schlachtfest sollte man überdies nicht erwarten, obgleich diverse Schnittwunden mit handgemachten Effekten überraschend hochwertig in Szene gesetzt sind und das Blutvergießen im Verlauf logischerweise zunimmt und sogar sarkastische Momentaufnahmen auszumachen sind.

Bei alledem erledigt Terrazzino in der Hauptrolle einen grundsoliden Job und vermag die simple, jedoch über weite Strecken effektive Story größtenteils allein zu schultern. Die 89 Minuten Laufzeit erweisen sich als goldrichtig für eine Hatz ohne doppelten Boden, bei der die Atmosphäre in der nächtlichen Fabrik deutlich hervorsticht. Für Freunde ausladender Überlebenskämpfe also insgesamt keine schlechte Wahl und wer sich schon mal gefragt hat, ob ein Pömpel auf der Toilette auch für mehr als nur das eine gut sein kann, - ja, kann er.
6,5 von 10





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