Review

Leinwandprofi / Lebensnewbie

Ein junger kanadischer Teenager und riesiger Filmfan mit autistischen Anzeichen träumt Anfang der 00er groß - und seine Anstellung in der Videothek seines Vertrauens soll nur der erste Schritt in Richtung einer Filmkarriere a la Kubrick sein. Doch sein Verhalten, sein Leben und seine Kondition machen ihm schnell ein paar Striche durch die Rechnung…

Punch Drunk Videostore

„I Like Movies“ ist jetzt nicht das allergrößte Filmnerd-Zitate-Brett, das man erwarten könnte - aber es ist denke ich dennoch schwer ihn nicht zu mögen. Und das obwohl der Protagonist größtenteils alles andere als lieb(enswert) ist - doch die Hauptfigur muss ja nicht immer fehlerfrei, perfekt oder gänzlich gut sein, um zu funktionieren und zu fesseln. Ganz im Gegenteil. Und genau das ist hier der Fall. Die frühen 00er werden gut eingefangen, ohne die Epoche zu prominent auszuwalzen. Der Autismus wird klasse und erbarmungslos, ungeschönt getroffen. Die jungen Darsteller sind allesamt klasse und haben durchaus Chemie - in freundschaftlichen Momenten wie in Streits. Und bei den vielen Szenen in der Videothek gehen die Augen eines jeden Filmfans eh schnell auf Reisen und die Herzen auf. Doch wie gesagt, es ist und bleibt ein kleines, kanadisches Coming-of-Age-Indiedrama, das viel mehr Augenmerk auf seine Figuren als auf Schauwerte oder Filmkennerinsider legt. Letztere gibt’s auch. Aber nicht am fließenden Band oder ablenkend. Und das ist gut so! Und wenn ein Film es schafft mich gründlich und empathisch überlegen zu lassen, was viele seiner Figuren mit ihren Leben machen könnten, nachdem der Abspann längst gelaufen ist, dann hat er einiges richtig gemacht, dann scheint man sich in deren Leben wohl-/reingefühlt zu haben… 

Lehrstunde in Sachen Realität vs. Traum

Fazit: schönes, nicht unrealistisches und erfrischend un-feel-good'iges Charakterporträt, das weit weniger filmnerdig als allgemein menschlich ist. Komplexer als man meint. Klein aber fein. 

Details
Ähnliche Filme