Noch immer existieren einige Verschwörungstheorien, die sich mit Nazis im Zusammenhang mit Okkultem bis hin zu geheimen Templerorden befassen. Die österreichische Autorin und Langfilmdebütantin Marie Alice Wolfszahn hat dies zum Anlass genommen, daraus ein mysteriöses Kammerspiel zu entwickeln, welches etwas merkwürdige Wege einschlägt, um final seine Pointe zu präsentieren.
Niederösterreich 1975: Die angehende Anästhesistin Sigrun (Isabella Händler) hat eine Pflegestelle bei der an Parkinson erkrankten Baronin Heidenreich (Inge Maux) angenommen. Sie pflegt die exzentrische Dame, verfolgt jedoch ihr eigentliches Ziel, mehr über ihre leibliche Mutter zu erfahren, welche der Baronin im Zweiten Weltkrieg begegnet sein könnte…
Betrachtet man allein den sauber durchkomponierten Vorspann mit den stilvoll platzierten Namen der Filmcrew, würde man kaum von einem Langfilmdebüt ausgehen. Die Kamera arbeitet latent sauber, das Setting der isolierten und zugleich maroden Villa ist detailreich ausgestattet und selbst der leicht schräg anmutende Score fügt sich in die teils surreale Atmosphäre.
Jedoch gerät die eigentliche Erzählung rasch ins Straucheln, da sie phasenweise völlig aus dem Fokus gerät oder wenigstens eine Nebenfigur einführt, die für die Geschichte gänzlich irrelevant ist. Zwar ist die Motivation Sigruns komplett nachvollziehbar, rasch das Siegel vor einem verbotenen Zimmer zu entfernen, um zahlreiche Unterlagen aus den 1940ern zu inspizieren, doch merkwürdige Rituale der Baronin mit ihrem Hausmeister (Jochen Nickel) schaffen mindestens Verwirrung, liefern jedoch auch nicht mehr als die klischeebeladenen Rituale heidnischen Ursprungs, die weitgehend ins Nichts führen.
Befremdliche Inserts führen ebenso ins Leere wie die Rahmenhandlung mit zwei gesichtslosen Polizisten im Verhör, während düstere Träume offenbar nur dazu dienen, die düstere Stimmung zu vertiefen und mit etwas plumper Symbolik anzureichern.
Zwar wird es minimal interessant, wenn die beiden Damen zu einem der zurückhaltend ausgetragenen Katz – und Mausspielchen ansetzen, doch wirklich spannend oder gar dringlich intensiv gerät das Treiben nie.
Da können auch die durchweg überzeugenden Darsteller nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Angelegenheit womöglich besser als Kurzgeschichte getaugt hätte, obgleich die Laufzeit mit nur 71 Minuten bereits relativ kurz ausfällt. Selbst die Pointe kommt eher aus heiterem Himmel, sie bringt jedoch eine zynische Note mit, die das abrupte Ende ein wenig kaschiert.
Die Mischung aus Drama, Fantasy und etwas Horror bietet definitiv Style over Substance. Die Optik ist gelungen, doch inhaltlich bewegt man sich auf recht dünnem Eis, was zu keiner Zeit Nervenkitzel entstehen lässt. Zu ruhig und zu unaufgeregt, um wirklich zu zünden.
5 von 10