(Vorweg das interessante Detail, dass in "No Escape"/ "Flucht aus Absolom" keine einzige Frau mitspielt.)
Es ist mir schleierhaft, warum dieser spannend inszenierte Actionfilm mit Scifi-Einschlag, der sicherlich kein Genre neu definiert, aber doch das gewisse Etwas hat (und mich seinerzeit zweimal ins Kino lockte), so rasch in der Versenkung verschwunden ist.
Vielleicht war der Hauptprotagonist - Ray Liotta als verurteilter Soldat J.T. Robbins, der sich auf einer Gefängnisinsel unter chaotischen, völlig verrohten, kannibalistischen "Outsidern" und den innerhalb strikter Ordnung lebenden "Insidern" behauptet muss - für das gewöhnliche Actionpublikum einfach als zu sensibel angelegt.
J.T. Robbins kann mit wenigen Handstrichen gleich mehrere hyperaggressive Outsider umnieten, verfällt aber auch schon mal zitternd ins Weinen, wenn ein erlittenes Kriegstrauma wieder hochkommt, oder verzerrt absolut unheldenhaft das Gesicht, als er nach halber Genesung von einer Verletzung wieder das lädierte Bein belastet.
- Dass Ray Liotta das mimische Handwerk mitbringt, die Wechsel zwischen abgebrühtem Kämpfer und schwer Traumatisiertem adäquat umzusetzen, dürfte bekannt sein.
Gerade dieser etwas untypische Held und der amüsant fiese und zynische, dabei aber sehr eloquente Outsiderhäuptling Walter Marek ("Du darfst jeden essen, den du fangen kannst!") - mit ersichtlicher Freude gespielt von Stuart Wilson - machen einen großen Teil der Faszination dieses Filmes aus.
Auch Lance Henriksen als "Vater" und Michael Lerner als eiskalter Gefängnisdirektor werten die Sache nicht gerade ab.
"Flucht aus Absolom" hat (anfangs) ein paar nicht spektakuläre, aber doch stimmungsvolle SciFi-Sets zu bieten, einige hübsche Brutalitäten, wüste Hetzjagden durchs Gehölz, heftig in Szene gesetzte Kämpfe - und alles in allem eine durchaus runde Story mit zivilisationskritischen Untertönen, die aber auch einen deutlichen Hang zum Zynismus aufweist.
Beispielgebend dafür die Szene (ich kann den Dialog nur sinngemäß wiedergeben), wo Robbins von einem Mitkämpfer gefragt wird, ob er an Gott glaube, und dieser erwidert, er glaube nicht, dass es Gott ist, der von oben über sie wacht. - Schnitt, und danach die Bilder eines Überwachungsatelliten, der im Orbit still seine Kreise zieht.
Die homoerotischen Untertöne des Filmes sind übrigens offensichtlich. Deutlich sind die Andeutungen, dass einige der Strafgefangenen mehr als nur in Leidensgenossenschaft verbandelt sind und dass sich der ängstlich-unbeholfene Casey ((Kevin Dillon) an Robbins nicht allein wegen dessen Führerqualitäten und Kampfkraft an Robbins ranschmeißt...
- Ein in manchen Details doch recht spezieller Film.