Review

Mad Maximum Security


Wenn man an Ray Liotta denkt, dann fallen einem nicht zuerst Actionhelden oder Gutmenschen ein. Eher sein fieses Lachen, schleimige Gangster und gemeine Bösewichte. Das mag wahrscheinlich auch ein Grund gewesen sein, warum „Escape From Absolom“ (viel schönerer Titel als der generische Originaltitel „No Escape“) Mitte der 90er ziemlich gefloppt ist. Doch ist er gleichzeitig auch einer der Hauptgründe, warum einem dieser dystopische Freiluft-Knast-Kunstschuss in Erinnerung bleibt. Zusammen mit seinem grünen Setting, der an „Waterworld“ und Co. erinnernden Atmosphäre und natürlich dem unterschätzten Martin Campbell auf dem Regiestuhl, der Action wie ein Ass kann und nicht umsonst zweimal (!) das 007-Franchise spektakulär in eine neue Ära geführt hat. Er erzählt von einem hochrangigen Ex-Militär, der in einer privatisierten Zukunft auf einer zweigeteilten Gefängnisinsel landet und der dort zwischen die barbarischen Fronten der „Insider“ und „Outsider“ gerät, eigentlich jedoch nur ausbrechen will... 

Was mir an diesem explosiven Genremix gefällt, ist neben Liotta vor allem seine Stimmung, seine Ausstattung und seine Härte. Da ist es fast schade, dass er dermaßen untergegangen ist. Immerhin wurde er nie vergessen und konnte sich im Heimkino zurecht einige Fans aufbauen. Es ist definitiv eines dieser zu spät gekommenen Kleinode, vom Gefühl her deutlich eher 80er als sein eigentliches Jahrzehnt. In Nebenrollen gibt es sympathisch-bekannte Gesichter zu sehen, von Ernie Hudson bis Lance Henriksen, die allesamt ihren Teil zur Aufwertung dieses B-Actioners beitragen. Ein wenig mehr Wahnsinn und Freakshow hätte dem wilden Treiben zwar noch gut getan, ebenso wie eine leichte Straffung, denn er hat eigentlich keine Argumente, erst bei fast zwei Stunden durch's Ziel zu gehen. Meinen altmodischen Spaß hatte ich trotzdem. Das sind schon irgendwie die Videothekenzeiten, rau und roh, nur hier eben spürbar höher budgetiert und mit mehr Talent an vielen Ecken und Enden. Endzeit mal etwas intimer und eingepferchter. Und vom Thema der privatisierten Super-Gefängnisse ja leider auch erstaunlich, erschreckend nah an der Realität - und der Film spielt auch noch 2022... 

Fazit: eine solide Mischung aus „Fortress“ und „Mad Max“. Schönes Setting, launige Action, ein ungewöhnlich-grimmiger „Held“, nette, martialische Ausstattung. Vielleicht ein paar Minuten zu viel auf der Uhr und recht vorhersehbar, doch insgesamt ein B-Movie zum (immer wieder) Rauskramen und Genießen. Damals untergegangen, heute gerne wiederentdeckt. Angenehm. Krawallig. Gallig. Ganz gut. 

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